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Georg Friedrich Adolph Schöner (*Mannsbach/Hersfeld 1774 - † Bremen 1841), Maler

Frau Medizinalrat Nicolai , 1825

Georg Friedrich Adolph Schöner malte das Bildnis Frau Medizinalrat Nicolai als Gegenstück zu seinem Porträt Der Halberstädter Medizinalrat Dr. Th. W. E. Nicolai.(1) Friedericke Ernestine Nicolai, geb. Walter, war mit dem Arzt Theodor Wilhelm Immanuel Nicolai (1788–1859) verheiratet. Schöner zeigt Frau Nicolai frontal dem Betrachter gegenüber. Sie trägt ein dunkelrotes, seidig schimmerndes Kleid. Die starke Betonung der Horizontalen auf Schulterhöhe durch die weit ausladenden Schinkelärmel, die vom Ellbogen abwärts bis zum Handgelenk schmal zulaufen, sind ein typisches Merkmal der Modelinie in den frühen 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Gleiche gilt für die Gestaltung des flach aufliegenden, bis zur Schulternaht reichenden Kragens, der durch den Bluseneinsatz mit seinem transparenten Stickereikragen ergänzt wird. Typisch für diese Zeit ist des weiteren die breite Haarfrisur mit den dicken Lockentuffs auf Schläfenhöhe und den zu einer Krone hoch aufgesteckten Haarflechten am Hinterkopf. Eine kleine goldene Brosche ist anstelle des obersten Knopfes an der Bluse angebracht. Die Vorliebe für solche Schmuckstücke unter dem Kragen oder am Kleidausschnitt ist bereits Ende der 20er Jahre zu beobachten und bleibt im gehobenen Bürgertum bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts modern.(2) Aufrecht sitzend stützt sich die Dame mit ihrem rechten Ellenbogen auf einem braunen Tisch ab. Ihre rechte Hand hält eine Handarbeit, ihre linke Hand ruht auf ihrem Schoß. Auf dem Tisch steht eine kleine blaue Schachtel, unter deren halbgeöffnetem Deckel verschiedenfarbige Garne hervorquellen. Nadeln oder andere Werkzeuge fehlen, und doch wird deutlich, dass Friedericke Ernestine Nicolai sich mit feiner Stickerei beschäftigt. Wie bei dem Porträt ihres Mannes verweisen also auch hier die Attribute auf die bevorzugte Beschäftigung der Dargestellten: Dem Betrachter wird ein privater Einblick in ihr Leben ermöglicht. Dieses Porträt ist wie auch sein Pendant nicht datiert. Im Vergleich mit einem anderen Bildnis Friedericke Ernestine Nicolais, das Schöner 1818 gemalt hat und das sich heute in Halberstadt befindet wird deutlich, dass die Dame auf dem Bremer Bild etwa 20 Jahre älter sein dürfte.(3) Das Bremer Bild entstand daher vermutlich um 1830. Diese Datierung wird auch durch die Analyse der modischen Kleidung und der Frisur bestätigt. Katharina Groth (1)Kunsthalle Bremen, Inv. 1080–1972/28. (2) Wir danken Prof. Waltraud Dölp für die Analyse der Mode. (3) Friedericke Ernestine Nicolai, geb. Walter, 1818, 68,8 x 54 cm, Städtisches Museum im Spiegelschen Palais, Halberstadt, Inv. K1/436. Für die Bereitstellung von Bildmaterial und Informationen danken wir Armin Schulze und Simone Bliemeister vom Städtischen Museum im Spiegelschen Palais, Halberstadt.
Abmessungen
  • Objekt: 82,5 x 66,5 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
1081-1972/29
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Georg Friedrich Adolph Schöner (*Mannsbach/Hersfeld 1774 - † Bremen 1841), Maler

Werk
Titel
Frau Medizinalrat Nicolai
Entstehungsdatum
um 1830
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 82,5 x 66,5 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Erwerbsinformation

    1972

  • Geschenk zum 150. Jubiläum des Kunstvereins 1973
Objektreferenz
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Lars Lohrisch