Größere Ansicht

Wilhelm Heinrich Focke (*Bremen 1878 - † Bremen 1974), Maler

Fischkutter vor Helgoland , 1900

Schiffe auf bewegter See übten nicht nur auf den begeisterten Segler, sondern auch auf den Maler Focke eine große Faszination aus. Mit dem Segelboot war er häufig auf der Nord- und Ostsee unterwegs, auch Helgoland steuerte er oft an. Die alten Fischkutter vor der Ostküste Helgolands dürften ihn sowohl wegen ihrer Konstruktionsweise als auch wegen des schon im französischen Impressionismus beliebten Motivs der Boote auf dem bewegten Wasser gereizt haben. Vor allem der vordere Einmaster mit dem breiten Rumpf und Rundheck scheint seine besondere Aufmerksamkeit geweckt zu haben. Er ist in unmittelbarer Nahsicht und mit großer Detailkenntnis wiedergegeben. Der Blick fällt von oben in das Heck des Schiffes und auf den Rücken des Steuermannes, der das Ruderblatt für eine Wende scharf nach Backbord führt, um das Boot nach Steuerbord zu drehen. Das Segel flattert locker im Wind. Focke malte dieses rückwärtige Anlegemanöver vermutlich von einer Mole oder einem Anleger aus. Dabei sollte wohl zunächst ein größerer Ausschnitt ins Bild kommen. So jedenfalls zeigt es ein Aquarell, das die Situation beim Beginn der Wende schildert, als das Boot noch etwas weiter entfernt ist. Die weitaus spannungsvollere Nahsicht hat Focke dann zunächst in einer aquarellierten Federzeichnung festgehalten.(1) Auf diesem Blatt sind alle später auch für das Gemälde wichtigen Einzelheiten bereits erfasst: das kleinere Ruderboot, dem der Gruß des Steuermannes gilt, die zwei ausfahrenden Segler weiter hinten, der Schwarm der begleitenden Möwen und in der Ferne der rote Felsen von Helgoland. Zeichnung und Aquarell werden in das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts datiert. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um unmittelbare Vorarbeiten zu dem wohl gleichzeitig entstandenen Gemälde handelt. In dieser Zeit, nämlich von 1904 bis 1912, lebte Focke weitgehend in Berlin und stand in regem Austausch mit Max Liebermann und den Malern der Berliner Secession und damit mit den neuesten Anregungen aus Paris. Im Kunstsalon und im Verlag der Vettern Paul und Bruno Cassirer dürfte er Segel- und Wasserbilder der französischen Impressionisten gesehen haben, von Edouard Manet oder Claude Monet etwa. Die licht- und lufterfüllte Atmosphäre, die dicht gedrängten Boote auf dem bewegten Wasser, der flüchtige Augenblick des wendenden Bootes und seine unkonventionelle Perspektive, kurz der heitere, unbeschwerte und alltägliche Moment in diesem Bild sind sicher auf solche Anregungen zurückzuführen. Charakteristisch für Focke ist dabei jedoch die bleibende Wertschätzung des inhaltlichen Geschehens, das bei seinen Schiffsbildern oft sogar in dramatischen Situationen auf hoher See gipfelt und sich in dem Bild Fischkutter vor Helgoland in dem breitschultrigen Steuermann und seiner charakteristischen Gebärdensprache wie auch in der genauen Situationsschilderung niederschlägt. Auch in der Malweise, so farbenfroh und locker sie auch die Dinge vorträgt, überwiegen der naturalistische Gestaltungswillen des konkret Sichtbaren sowie eine idealistische Konzeption, wie sie in der deutschen Malerei der Jahrhundertwende üblich war. Katharina Erling (1) Beide Arbeiten sind abgebildet in: Helmut Hadré (Hg.): Wilhelm Heinrich Focke, ein norddeutscher Maler, Flugzeugpionier und Erfinder, Bremen 2006, Abb. S. 234, 239. Da beide dieselbe Situation zeigen, müssen sie zur gleichen Zeit entstanden sein. Die angegebenen Datierungen 1902 für die Federzeichnung und „1910er Jahre“ für das Aquarell können also nur als Zeitraum gelten.
Abmessungen
  • Objekt: 65,9 x 96,9 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
1427-2008/2
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Wilhelm Heinrich Focke (*Bremen 1878 - † Bremen 1974), Maler

Werk
Titel
Fischkutter vor Helgoland
Entstehungsdatum
1. Jahrzehnt 20. Jahrhundert
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 65,9 x 96,9 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Sperrholz
Erwerbsinformation

    2008

  • Geschenk Karin Renz und Jürgen Dietrich zum Andenken an Hans Renz 2008
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

Kollektionen