Größere Ansicht

Georg Friedrich Adolph Schöner (*Mannsbach/Hersfeld 1774 - † Bremen 1841), Maler

Bildnis Katharina Quentell , 1821

1821 porträtierte Georg Friedrich Adolph Schöner diese junge Dame Anfang dreißig. Wie bei seinen anderen Bremer Porträts zeigt der Künstler auch hier sein Modell frontal und im Brustbild. Die Dargestellte trägt ein schwarzes Samtkleid, das am Dekolleté V-förmig ausgeschnitten ist und dort von einer feinen Spitze hinterlegt wird. Ihren Hals umfängt ein seidig glänzender, gestärkter Spitzenkragen. Die Frau wirkt zerbrechlich durch ihre blasse Haut. Schöner verstärkt diesen Eindruck durch eine verträumt anmutende Mimik und Gestik: Ihr rechter Arm ist vor den Bauch gelegt und stützt den linken Arm, mit dem sie die Hand an die Wange führt. So rückt der goldene Verlobungsring am Ringfinger in den Blick. Mit leicht geneigtem Kopf schaut die Frau versonnen vor sich hin, ohne etwas zu fokussieren. Sie scheint nach innen gewendet, als weilte sie in Gedanken bei Ihrem Verlobten. Die sorgfältig zusammengestellte, feine Kleidung, das akkurat frisierte braune Haar, das geflochten und am Hinterkopf zusammengelegt ist, und die Hinzufügung von Schmuck – neben dem bereits erwähnten Ring trägt die Dargestellte auch goldene Ohrringe – deuten daraufhin, dass es sich um ein offizielles Verlobungsporträt handelt. Die gesamte Aufmerksamkeit des Malers richtet sich auf die Porträtierte. Dagegen ist der Hintergrund zurückhaltend gestaltet: eine grüne Wiese mit einer fernen Bergkette und einem Baum auf der rechten Bildseite. Über die Hälfte des Bildes wird von dem blauen Himmel hinterfangen, vor dem sich das helle Gesicht der Frau abhebt. Bei der Dargestellten handelt es sich um Katharina Quentell (1791–1864), die Frau des Kaufmannes und Ältermanns Friedrich Leo Quentell (1779–1852).(1) In der Sammlung der Kunsthalle befindet sich ein weiteres Bildnis Katharina Quentells, das Rudolph Friedrich Carl Suhrlandt 1829 malte.(2) Auf Suhrlandts Porträt wirkt die Dargestellte reifer, die träumerische Verliebtheit der Verlobten auf Schöners Bildnis ist einer selbstsicheren Körperhaltung gewichen. Zu Suhrlandts Darstellung von Frau Quentell existiert ein Gegenstück ihres Ehemanns aus demselben Jahr: Bildnis Ältermann F. L. Quentell.(3) Im 19. Jahrhundert waren solche Doppelporträts eines Ehepaars sehr häufig, und auch in Schöners Werk finden sich zahlreiche Beispiele dieser besonderen Form.(4) So lässt sich vermuten, dass es auch ein Pendant zu Schöners Bildnis Katharina Quentells gegeben hat. Lange war kein Porträt von Friedrich Leo Quentell in Schöners Werk bekannt. Im Vergleich von Suhrlandts Porträt des Ältermanns mit Schöners Herrenporträt aus dem Jahr 1815(5) fällt jedoch die Ähnlichkeit der Männer auf. Weitere Indizien für die Zusammengehörigkeit liefern die fast identischen Maße und die ähnliche Komposition der Hintergründe auf beiden Bildern, sowie die Tatsache, dass die Dargestellten sich jeweils in die Richtung ihres Partners neigen, wenn man die Porträts nebeneinander betrachtet. Es ist daher anzunehmen, dass das Herrenporträt von 1815 das Pendant zu Schöners Frauenbildnis von 1821 war und ihren Verlobten Friedrich Leo Quentell darstellt. Vermutlich wurde es anlässlich der Verlobung der beiden in Auftrag geben. Katharina Groth (1) Schöner notierte auf der Rückseite des Bildes: „Catharina Quendel [sic]/geb: Raacke“. (2)Bildnis Frau F.L. Quentell, Inv. Nr. 219–1928/31, vgl. Gerhard Gerkens / Ursula Heiderich: Katalog der Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts in der Kunsthalle Bremen, 2. Bde., Bremen 1973, S. 323, Abb. 148; Andreas Kreul: Kunsthalle Bremen – Gemälde-Verzeichnis, Wiesbaden 1994, Nr. 1086 (3) Es existieren zwei Fassungen: Inv. 223–1928/31, vgl. Gerkens Heiderich 1973 (wie Anm. 2), S. 322, Abb. 149; Kreul 1994 (wie Anm. 2), Nr. 1085; Inv. 224–1929/5, vgl. Kreul 1994 (wie Anm. 2), Nr. 1084. (4) Vgl. in der Kunsthalle Bremen Der Halberstädter Medizinalrat Dr. Th. W. E. Nicolai, Inv. 1080–1972/28 und Frau Medizinalrat Nicolai, Inv. 1081–1972/29. (5) Inv.Nr. 221–1928/32, vgl. Kommentar zum Bild im Forschungsprojekt Bremer Künstler; Andreas Kreul: Kunsthalle Bremen – Gemälde-Verzeichnis, Wiesbaden 1994, Nr. 1002.
Abmessungen
  • Objekt: 70 x 55 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
243-1929/4
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Georg Friedrich Adolph Schöner (*Mannsbach/Hersfeld 1774 - † Bremen 1841), Maler

Werk
Titel
Bildnis Katharina Quentell
Entstehungsdatum
1821
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 70 x 55 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • verso bezeichnet: Catharina Quendel geb: Raacke gem: v.GFA [als Ligatur] Schöner. Ao 1821.
Erwerbsinformation

    1928

  • Vermächtnis Dr. Hermann Henrich Meier jr. 1928
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow