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Friedrich Wilhelm Steinhäuser (*Bremen 1817 - † Bremen 1903), Maler

Bildnis Franz Wilhelm Steinhäuser , 1840

Auf dem Porträt ist Wilhelm Steinhäusers zwei Jahre älterer Bruder dargestellt. Franz Wilhelm August Steinhäuser wurde am 10. Mai 1815 geboren, er blieb ledig und starb am 30. September 1894 in Bremen.(1) Während seine Brüder Wilhelm, Carl und Adolph eine künstlerische Laufbahn einschlugen, übernahm Franz mit 20 Jahren das väterliche Spiegelgeschäft in der Sögestraße 42 und leitete es „mit Umsicht und unverdrossener Thätigkeit.“(2) Von 1849 bis 1887 war Franz Steinhäuser Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und gehörte verschiedenen Deputationen an.(3) Als Mitglied der Gewerbekammer setzte er sich für die Einrichtung einer Fortbildungsschule für Handwerker ein. 1881 gab er den Betrieb des Spiegelrahmengeschäfts auf und zog zusammen mit seinen ledigen Geschwistern Wilhelm, Henriette Friederike Juliane und Marie Friederike Wilhelmine in den Richtweg 18 und 1887 in die Frühlingstraße 12, wo die Schwestern den Haushalt führten. Die Spiegelhandlung an der Sögestraße wurde umgebaut und als Kinderkonfektionsgeschäft weiter genutzt.(4) Das Porträt zeigt Franz Steinhäuser im Brustbild vor schlichtem, dunkelbraunen Hintergrund. Das von links einfallende Licht konzentriert sich auf Gesicht und Teile der Kleidung. Mit leicht verträumtem, aber offenem Blick schaut er zum Betrachter. Das blasse, weich modellierte Gesicht zeigt keine Unebenheiten. Der junge Mann wirkt in seiner ganzen Ausstattung recht „gentleman like“. Sein schwarzer Gehrock mit breitem Revers und flachem Kragen ist im Stil der ausgehenden 1830er und beginnenden 1840er Jahre gearbeitet.(5) Unter dem offen getragenen Doppelreiher werden zwei übereinander liegende Westen sichtbar, die durch Abstufung an der Vorderkante deutlich zur Schau gestellt wurden. Die weiße Hemdbrust als Zeichen großbürgerlicher Noblesse tritt deutlich in Erscheinung. Über dem hohen Hemdkragen ist die schwarze Seidenkrawatte entsprechend der Mode sehr sorgfältig gebunden. Die üblicherweise über die Krawatte hinausragenden hohen, steifen Kragenecken sind durch den fülligen Kinn- und Kotelettenbart überdeckt. Die jungen Männer setzten sich in dieser Zeit durch ihre Barttracht sowie das kurz geschnittene, in der Mitte hochgekämmte und ins Gesicht gezogene Haar demonstrativ von den Traditionalisten ab, denn der Bart galt als Zeichen für demokratische Gesinnung.(6) Die elegante Kleidung, das gepflegte äußere Erscheinungsbild und die selbstbewusste Haltung des Dargestellten charakterisieren überzeugend den Status des erfolgreichen Bremer Kaufmannes aus wohlsituiertem Hause. Steinhäuser schuf das Bildnis seines Bruders vermutlich bald nach 1841, als er von seinem Romaufenthalt nach Bremen zurückgekehrt war. Die Datierung der Kleidung um 1840 bestätigt ein solches Entstehungsdatum. Das Porträt diente als privates Erinnerungsbild und wurde innerhalb der Familie viele Jahre weitergegeben, bis es aus dem Nachlass einer Verwandten in die Kunsthalle Bremen kam. Anke Schmidt-Staufenberg (1) Civilstandsregister Bremen 1815, Geburten, abgedruckt in: Harry Schwarzwälder: Versuch einer Darstellung vom Leben und Werk des Bildhauers Carl Steinhäuser 1813–1879, unveröffentlichtes Manuskript, Bremen 2004, A 4; Die Leichenbücher der Stadt Bremen von 1875–1934, Leichenbucheintrag 1894, Staatsarchiv Bremen. Zusammen mit seinem Bruder Wilhelm trat er 1870 zweimal als Trauzeuge bei den Hochzeiten seiner Nichten Charlotte Antonie Pacius und Georgine Wilhelmine Henriette Pacius auf. Ortsfamilienbuch Bremen und Vegesack, Familienbericht,vgl. DIE MAUS, Gesellschaft für Familienforschung Bremen e.V. (2) Schwarzwälder 2004 (wie Anm. 1), S. 8 und Bremer Testamentbücher, Testament von Henriette Friederike Steinhäuser geb. Froböse vom 14.3.1859 (FB 2928), Staatsarchiv Bremen. (3) Schwarzwälder (wie Anm. 1), S. 8. Die Deputationen dienten dem Interessenausgleich zwischen Rat und Bürgerkonvent. Ende des 18. Jahrhunderts wurde es zur Regel, dass die Deputationen von Ratsherren und Bürgern gebildet wurden. (4) Schwarzwälder 2004 (wie Anm. 1), S. 8. Am 12. September 1891 setzte Franz Steinhäuser sein Testament auf, in dem er seinen Neffen Carl Pacius als Erben berief. Vgl. Testament von Franz Wilhelm August Steinhäuser vom 12. September 1891 (FB 2950), Staatsarchiv Bremen. (5) Wir danken Frau Prof. Waltraud Dölp, Hochschule für Künste Bremen, für die kostümhistorischen Informationen. (6) Die Männermode des Biedermeier favorisierte kurz geschnittenes gewelltes Haar, das ohne Scheitel vom Wirbel aus ins Gesicht gekämmt wurde. Dazu kamen Koteletten, die sich bald zu einem Backenbart entwickelten. Dem Bart fiel Mitte des 19. Jahrhunderts eine besondere Bedeutung zu, zum Symbol einer revolutionären Weltanschauung. Die konservativen Kreise lehnten die vor allem von jungen Männern getragene „wilde“ Haar- und Barttracht als Verkörperung langhaariger, ungepflegter „Radikaler“ ab. Vgl. Birgitta Huse: Von Kopf bis Fuß. (Gegenbilder, Bd. 4), Münster 2004, S. 59.
Abmessungen
  • Objekt: 71 x 44 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
673-1954/42
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Friedrich Wilhelm Steinhäuser (*Bremen 1817 - † Bremen 1903), Maler

Werk
Titel
Bildnis Franz Wilhelm Steinhäuser
Entstehungsdatum
um 1840/45
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 71 x 44 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Erwerbsinformation

    1954

  • Nachlass Betty Pacius, geb. Roselius, 1954
Provenienz
  • Franz Wilhelm Steinhäuser (10.05.1815 - 30.09.1894) erworben vom Künstler
  • Pacius verwandt mit der Familie Steinhäuser
  • 7.4.1954 Betty Pacius
  • 1954 Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen Vermächtnis Betty Pacius, geb. Roselius
  • Creditline
    • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

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