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Carl Weidemeyer (*Bremen 1882 - † Ascona 1976), Maler

Bäuerin Torf holend , 1948

Eine Bäuerin beugt sich zu einer braunen Masse hinab, die durch die charakteristische quaderförmige Anordnung und tiefbraune Farbe als Torfsoden zu identifizieren ist. Im Hintergrund wölben sich bräunlich-gelbe Hügel weit in den Himmel hinein. Ein Vermerk des Künstlers auf dem Keilrahmen verdeutlicht, dass das Gemälde in Anlehnung an die Landschaft um Worpswede entstand. Zu Beginn seiner künstlerischen Karriere war Weidemeyer mit einigen Malern der Worpsweder Künstlerkolonie wie den Vogelers und den Modersohns befreundet und bewohnte dort während des Ersten Weltkriegs eine von ihm selbst erbaute Kate. Die Motive von Bäuerin und Torfsoden verbildlichen zwar die Erinnerung an die Worpsweder Zeit, befinden sich aber, der lichten Farbgebung und dem Hügel nach zu schließen, in der Landschaft bei Ascona. Figur und Landschaft scheinen miteinander zu verschmelzen. Das Blau und Gelb des Himmels und der Hügel finden sich in der Kleidung der Bäuerin wieder. Der Künstler Otto Bachmann schrieb im Jahr 1957 zu den aus der Erinnerung gemalten Worpsweder Bildern: „Durch die Ferne der Zeit und des Ortes verklärt, verschmelzen die Erlebnisse von Mensch und Landschaft in Weidemeyers Bildern zur kraftvollen Einheit“(1) In dieser Einheit wird die starke Hinwendung des Künstlers zur Natur wahrnehmbar. Das einzig herausstechende Motiv ist das weiße, dreieckige Kopftuch der Bäuerin. Dieses annähernd zentrale Element steht im Kontrast zu der sonst eher in Rechtecke unterteilten Gesamtkomposition und dient der geometrischen Gliederung des Gemäldes. Das Bild entstand zu Beginn der zweiten malerischen Schaffensperiode Weidemeyers ab 1948 – vielleicht aus Sehnsucht nach seiner früheren Heimat. 1948–1950 schuf er weitere Bilder mit Bauernmotiven, unter anderem Stehender Bauer und einige Zeichnungen wie Mutter mit totem Kind.(2) Um 1950 begann Weidemeyer, seine Sujets in geometrisierender Form darzustellen und in beinahe kubistischer Weise zu „dekonstruieren“. Das Bremer Bild der Bäuerin steht am Beginn dieses Prozesses. Die Torfsoden und Teile der Hügel im Hintergrund scheinen nach einer Art unsichtbarem rechteckigen, bzw. trapezförmigen Raster angelegt. In späteren Werken Weidemeyers wird dieses Raster strenger, deutlicher sichtbar und somit zum eigentlichen Gegenstand der Malerei. Ab Mitte der fünfziger Jahre widmete er sich Tessiner Landschaften. Im Ascona der fünfziger Jahre gab es keine malerische Avantgarde. Dagegen arbeitete hier zu Beginn seines Aufenthalts (ab 1927) die Künstlergruppe Der große Bär (1924–1941) um Marianne von Werefkin. Näher bekannt war der Künstler mit zwei Mitgliedern des so genannten „Dreigestirns des Schweizer Expressionismus“, bestehend aus Ignaz Epper, Fritz Pauli (die wie er am Asconaer Puppentheater mitwirkten) und Johannes Robert Schürch. Auch pflegte er intensive Kontakte mit dem berühmten deutschen Expressionisten Christian Rohlfs und dem Künstler und Illustrator Richard Seewald. Stark beeinflusst wurde Weidemeyer von Künstlern der klassischen Moderne wie Paul Klee, Franz Marc, Lyonel Feininger und Robert Delaunay. Weidemeyer verarbeitete die Anregungen dieser Künstler in experimenteller Weise, ohne jedoch seinen eigenen Stil zu definieren. Das Bild der Bäuerin etwa weist expressionistische Züge auf. Zudem erinnern das Motiv und dessen heroische Inszenierung an die Bauerndarstellungen des Barbizon-Malers Jean-François Millet sowie an die Themen der frühen Worpsweder Künstler wie etwa Fritz Mackensen. Antje-Britt Mählmann (1) Otto Bachmann: Schrift zum 75. Geburtstag Carl Weidemeyers, Ascona 1957, S. 28. (2) Mutter mit totem Kind, ca. 1948, Öl und Pastell, 74,5 x 59 cm, Museo comunale d’arte moderna, Ascona, (Fondo Carl Weidemeyer); Stehender Bauer, ca. 1948–50, Öl, 103 x 73 cm, Privatsammlung, vgl. Carl Weidemeyer 1882–1976, Künstler und Architekt zwischen Worpswede und Ascona, Kat. Ausst. Museo d’arte moderna, Ascona 2001, Abb. S. 46, 47.
Abmessungen
  • Objekt: 36 x 28 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
1233-1979/9
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Carl Weidemeyer (*Bremen 1882 - † Ascona 1976), Maler

Werk
Titel
Bäuerin Torf holend
Entstehungsdatum
um 1950
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 36 x 28 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Pappe
Bezeichnungen
  • verso bezeichnet: Erinnerung an Worpswede "Bäuerin Torf holend" C
Erwerbsinformation

    1976

  • Vermächtnis des Künstlers 1976
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

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