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Arnold Schmidt-Niechciol (*Klein-Schmograu/Breslau 1893 - † Bremen 1960), Maler

Damenbildnis , 1919

Das Bild zeigt eine Frau mit weißer Bluse und weißem Kopftuch, die an einem Tisch sitzt. Eine schmale schwarze Schleife am Kragen bildet einen Blickfang an ihrer Kleidung. Gedankenverloren wendet sie sich zur Seite, die Unterarme auf den Tisch gestützt, während sie mit der einen Hand einen Fächer umfasst. Stilllebenhaft wirken die ineinandergeschobenen Spielkarten sowie das mit Wasser (?) gefüllte Glas mit der beigefügten Zitrone. Möglicherweise ist eine Wirtshausszene angedeutet, doch bleibt die räumliche Situation undefiniert. Mit Ausnahme weniger Farbakzente (Schleife, Zitrone, Spielkarten) herrscht als Grundton Weiß vor, mit dem Schmidt-Niechciol auch das Ocker des Tisches und der Wand weitgehend übermalte. Gesicht und Arme haben ebenfalls einen starken Weißanteil, doch gibt es hier wie an allen anderen Stellen des Bildes eine Durchmischung mit anderen Farben, sodass der helle Ton insgesamt eher gedeckt erscheint. Dazu kommt der skizzenhafte, freie Pinselstrich, der spontan wirkt und einen schnellen Farbauftrag suggeriert. Die sichtbare Virtuosität der Arbeitsweise steht in engem Bezug zum zeichnerischen Werk des Künstlers. Schmidt-Niechciol hatte das Bild für die Ausstellung der von ihm initiierten Vereinigung „Siebenpunkt“ in der Kunsthalle Bremen 1949 geplant, es jedoch bis kurz vor der Eröffnung nicht eingeliefert und sich sogar trotz verschiedentlichen Drängens dagegen gewehrt. Jüngere Kollegen verschafften sich daraufhin nachts Zugang zu seinem Atelier und brachten die Dame in Weiß in die Kunsthalle. Der darüber verärgerte Künstler arbeitete schließlich noch in der Kunsthalle am ausgestellten Bild weiter.(1) Diese Überlieferung zeigt beispielhaft Schmidt-Niechciols Herangehensweise an seine Ölgemälde: Er verharrte lange und immer wieder von Neuem im Arbeitsprozess, konnte oftmals nicht zu einem ihn befriedigenden Ergebnis gelangen, sodass er seine Bilder bisweilen sogar zerstörte. Der Künstler blieb ein Leben lang der gegenständlichen Malerei treu und suchte nicht die Auseinandersetzung mit avantgardistischen Strömungen. Noch bei diesem späten Werk bleibt seine früh entdeckte Vorliebe für einige Hauptvertreter der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts spürbar. Er schätzte besonders Camille Corot, Edgar Degas, Eugène Delacroix und Auguste Renoir. Das Bremer Damenbildnis zeigt zudem deutliche Anklänge an Bilder Edouard Manets, denn auch dort finden sich eine ähnliche Malweise und Figurenauffassung, kombiniert mit stilllebenhaften Arrangements – häufig mit Zitronen. Viele Werke Manets greifen darüber hinaus die Spanienmode der damaligen Zeit auf oder zitieren die ältere spanische Kunst, für die sich auch Schmidt-Niechciol begeisterte. Das deckt sich mit dem Eindruck, den die weibliche Figur auf dem Bremer Bild hinterlässt: Sie mutet in ihrem Äußeren − mit der besonderen Kleidung und dem Fächer – südländisch, vielleicht sogar spanisch an. Sie erscheint würdevoll, wenngleich wenig elegant in Gestalt und Haltung. Es ging dem Künstler wohl kaum um ein individuelles Bildnis, sondern eher um eine genrehafte Figur und impressionisti-sche Atmosphäre. Alice Gudera (1) Katerina Vatsella: Arnold Schmidt-Niechciol 1893−1960. Monographie und Katalog der heute bekannten Werke, Bremen 1990, S. 19.
Abmessungen
  • Objekt: 105 x 76,5 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
1092-1972/40
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Arnold Schmidt-Niechciol (*Klein-Schmograu/Breslau 1893 - † Bremen 1960), Maler

Werk
Titel
Damenbildnis
Entstehungsdatum
1919
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 105 x 76,5 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • oben links datiert und monogrammiert: S. N. 19.
Erwerbsinformation
  • Alter Bestand
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow