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Ernst Heinrich Wilhelm Hampe (*Bremen 1806 - † Rom 1862), Maler

Klosterkirche auf dem Aventin in Rom , 1826

Alte, teils verfallene Gemäuer säumen einen stattlichen Torbogen, durch den man auf eine Kirche blickt. Sie liegt im Sonnenschein, der in einem breiten diagonalen Streifen durch den Bogen in den Vordergrund fällt, wodurch Teile der Architektur in der rechten Bildhälfte erhellt werden, während der Rest verschattet ist. Es bleibt unklar, welche Funktion die Gebäude im Vordergrund hatten. Sie wirken wie ein geschlossener Komplex aus Villa, Mauer und Tor. Das vom Alter gezeichnete Gebäude am rechten Bildrand ist angeschnitten, es erinnert mit seiner Loggia aus Rundbögen an Renaissancearchitektur. Einen ähnlichen Charakter lässt das leicht zurückgesetzte, links angrenzende Haus erkennen. Es hat einen rundbogigen Eingang, zu dem eine Reihe unregelmäßiger Stufen hinaufführen. Darüber prangt ein Wappenschild. Angrenzend vermittelt eine bewachsene Mauer, auf der sich eine leere Ädikula – einst Rahmung eines Andachtsbildes − befindet, zu dem Torbogen links. Dessen ruinenhaftes Äußeres erweckt den Anschein, als wäre er einst Teil einer größeren Anlage gewesen. Auch am linken Bildrand schließt sich eine verwilderte, mit Pflanzen überwucherte Mauer an, so dass der Betrachter letztlich den Eindruck gewinnt, in einen Hof zu blicken. Der unbefestigte Grund wirkt vernachlässigt, kleinere und größere Steine liegen auf dem Boden. Der Ort erscheint verlassen, vergangen und still. Das südliche Licht, die warmen erdigen Farben, die ruinenhafte Kulisse und nicht zuletzt die Palme, die im Zentrum des Bildes über die Mauer ragt, erzeugen eine idyllische Atmosphäre, die die Sehnsüchte nach südlichen Gefilden beim Betrachter anspricht. Die Kirche im Hintergrund zeigt einen eigentümlichen Fassadenaufbau: Die Säulen des Atriums wirken – ohne Gebälk oder Architrav − etwas unbeholfen eingefügt, der Zugang scheint viel zu klein. Zwar lässt der Titel Klosterkirche auf dem Aventin in Rom annehmen, dass es sich um eine tatsächlich existierende Kirche handelt, doch findet sich kein entsprechendes römisches Gebäude. Deshalb ist zu vermuten, dass Hampe das Bild aus der Phantasie entwickelt hat. Das könnte auch die versatzstückartige Anlage und die teils unstimmigen Proportionen erklären.(1) Viele Künstler der Romantik malten oder zeichneten die Sicht durch einen Torbogen auf italienische Stadtmotive. Häufig rahmt in diesen Werken der Bogen am vorderen Bildrand das Sujet. Ähnlich wie beim damals gleichermaßen beliebten Fenstermotiv fällt der Blick aus der umschlossenen Geborgenheit nach draußen. Hampe betont den Kontrast zwischen dem dunklen Schatten im Vordergrund und dem hellen Sonnenlicht jenseits des Tores, zwischen den verfallenden Mauern und der fest gebauten Kirche: Der sehnsüchtige Blick in die Ferne findet im christlichen Glauben Halt. Während Hampe sein kleines, auf Pappe gemaltes Ölbild kunstvoll aus einzelnen Motiven zusammensetzte, haben andere Künstler seit dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts solche Ansichten mit rahmenden Torbögen direkt nach der Natur in skizzenhafter Malweise festgehalten. Ein Beispiel aus dem Bestand der Kunsthalle Bremen bietet Heinrich Bürkels Blick in das Kolosseum zu Rom von 1830/32, bei dem es sich wohl um eine vor Ort im Freien entstandene Studie handelt.(2) Solche frühen Werke der Freiluftmalerei waren jedoch zunächst nicht für den Markt bestimmt, was für Hampes Werk, das einen gleichmäßigen, glatten Pinselstrich zeigt und wenig skizzenhaft wirkt, sehr wohl gelten dürfte. Es ist bekannt, dass Hampe während seines langjährigen Aufenthaltes in Rom immer wieder Bilder nach Bremen schickte, wo sich seine Gönner um deren Verkauf bemühten. Wann Hampe Die Klosterkirche auf dem Aventin gemalt hat, ist nicht näher zu bestimmen, da zu wenig sicher datierte Werke für einen fundierten stilistischen Vergleich erhalten sind. Auch das Motiv bietet keinen Anhaltspunkt zur Datierung, denn seit den späteren dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts bis zu seinem Tode hielt Hampe sich mit längeren Unterbrechungen immer wieder in der Ewigen Stadt auf. Alice Gudera (1) Vgl. auch Hampes Römisches Volksleben, Öl auf Leinwand, 75 x 95,5 cm, Privatbesitz, mit einer ähnlichen hofartigen Anlage und einem Gebäude mit Loggia. (2) Öl auf Pappe, 34,7 x 26,5 cm, Inv. Nr. 897–1964/9; Gerhard Gerkens / Ursula Heiderich: Katalog der Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts in der Kunsthalle Bremen, Bremen 1973, Bd. 1, S. 44, Bd. 2, Abb. 139; Kunsthalle Bremen Meisterwerke, Bd. 1: Gemälde, Skulpturen, Neue Medien, Bremen 1998, S. 180f.
Abmessungen
  • Objekt: 41 x 52 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
144-1936/1
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Ernst Heinrich Wilhelm Hampe (*Bremen 1806 - † Rom 1862), Maler

Werk
Titel
Klosterkirche auf dem Aventin in Rom
Entstehungsdatum
undatiert
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 41 x 52 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Pappe
Erwerbsinformation

    1936

  • Vermächtnis Aline von Kapff, Bremen 1936
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

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