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Gustav Adolf Schreiber (*Bremen 1889 - † Bremen 1958), Maler

Am Strand , 1938

Schreiber malte diese Landschaft 1938 während eines Sommerurlaubes in Göhren auf Rügen und bezeichnete sie in seiner Werkliste als „Blick auf die Ostsee bei Göhren Rügen mit Angler u. rechts Bäumen (blaue See)“.(1) Dargestellt ist der Blick von der Kliffküste des Göhrener Südstrandes zum Göhrener Nordperd. Der weit ins Wasser führende Steg ist ein von den einheimischen Fischern im 19. Jahrhundert auf der Basis einer alten Schwedenbrücke gebauter Fischanlandesteg, der noch heute zu sehen ist. Die Bucht Nordperd ist im hinteren Bereich des Bildes ein wenig länger gezogen als in der Realität.(2) Zwei weitere Landschaften von diesem Sommeraufenthalt 1938 mit Blick auf die Göhrener Küste befanden sich 1941 in Bremer Privatbesitz.(3) Alle drei waren 1939 im Graphischen Kabinett in Bremen ausgestellt und erhielten dort große Resonanz.(4) Bei seinen Sommeraufenthalten an der Nord- und Ostsee malte Schreiber in den 30er und 40er Jahren zahlreiche Meeres- und Strandbilder mit Badenden am Ufer, Segelbooten auf dem Wasser und schäumenden Wellen. Beliebte Motive waren die Nordsee bei Wangerooge, die Dünen und die Steilküste am Brodtener Ufer in der Lübecker Bucht, die Weser und die Elbe bei Dresden und Meißen oder die Moritzburger Seen. Dabei bediente der Künstler sich ganz unterschiedlicher Ausdrucksformen. Das vorliegende Bild wirkt deutlich impressionistisch durch die heitere, durchsonnte Atmosphäre, die sommerlichen Motive und die lockere, die Einzelheiten in verschwimmenden Farbtupfen oder kurzen Spachtelzügen andeutende Malweise. Bei Max Liebermann findet man in Malart und Sujet vergleichbare Strand- und Meeresbilder von seinen Aufenthalten in den Seebädern Scheveningen und Noordwijk. Andere Meerlandschaften Schreibers aus dieser Zeit zeigen dagegen Wasser, Land und Himmel in dramatischer Bewegung und erregter Pinselschrift, die ganz deutlich den Einfluss des Expressionismus erkennen lassen. Direkte Anregungen könnten dabei die Meeresbilder von Emil Nolde oder auch Landschaften von Oskar Kokoschka vermittelt haben. An Kokoschka erinnert im vorliegenden Bild vor allem die gedehnte Weitsichtperspektive, mit der dieser seit Mitte der zwanziger Jahre das Wesentliche der jeweiligen Landschaft einzufangen suchte. Die leichte und geschickte Umsetzung und Anverwandlung unterschiedlichster künstlerischer Anregungen je nach Stimmung und Ausdruckswollen ist charakteristisch für Schreibers Malerei. Nach Emil Waldmann, dem damaligen Direktor der Kunsthalle, spricht aus dem Bremer Strandbild eine gelungene Synthese aus atmosphärischer Dichte und subjektiver Steigerung. In seiner Rede zur Eröffnung der Schreiber-Ausstellung im Graphischen Kabinett Bremen 1939 hieß es: „Und auf der schönen blaugrünen Meereslandschaft bei Rügen […] verschwindet da an dem Seesteg ein Segelboot fast völlig in dem feinen feuchten Nebeldunst über den Gewässern und in der Atmosphäre. Dies, dieser kleine Einzelzug, ist gewiss gesehen und beobachtet, mit der feinsten malerischen Empfindlichkeit des Künstlerauges für die letzten und entscheidendsten Tonwerte im Aufbau des Ganzen. Aber es wäre eben nicht gesehen worden, ohne die starke seelische Leidenschaft für das Geheimnisvolle im Walten des Weltalls, ohne die in strenger Zucht erworbene Ahnung von dem, was eigentlich hinter der so genannten Natur noch liegt.“(5) Waldmann erwarb das Bild vermutlich im Anschluss an die Ausstellung und übergab es 1943 der Kunsthalle Bremen.(6) Schreibers Strand- und Meerlandschaften waren in Bremen sehr beliebt und ließen sich gut verkaufen. Aus seiner Werkliste geht hervor, dass bis 1941/43 23 solcher Landschaften von Sammlern in Bremen und Umgebung sowie von einem befreundeten Sammler in seiner Heimatstadt Arolsen erworben wurden. Katharina Erling (1) Listen meiner Öl und Tempera-Bilder in Privatbesitz, aufgestellt: 1941–43, Nr. 87. Die Listen befinden sich im Nachlass des Künstlers, Privatbesitz Bremen. Die Nummer 87 ist von Schreiber mit einem roten Kreis gekennzeichnet worden, als Zeichen für die „Arbeiten, die ich innerhalb meiner Entwicklung für wichtig und gut halte.“ (2) Frdl. Mitteilung von Carola Koos, Bürgermeisterin des Ostseebades Göhren vom 16. Dezember 2008. (3) Listen meiner Öl und Tempera-Bilder in Privatbesitz (wie Anm. 1), Nr. 82: „Kleine Ostseelandschaft mit Booten im Vordergrund (Göhren auf Rügen), im Besitz von Wuppesahl sen. Assekuranz-Makler, Bremen“; Nr. 90: „Sonnige Landschaft auf Rügen Göhren (Sonntagmorgen), im Besitz von Dr. Winkelmann in Firma Bremerkamp Bremen“. (4) Dr. Herbert Wacker: Ausstellung Gustav Adolf Schreiber, in: Bremer Nachrichten, 22. Januar 1939, Nr. 22, Bl. 3. (5) Emil Waldmann: Rede zur Ausstellung Gustav Adolf Schreibers im Graphischen Kabinett, Bremen, Januar 1939, handschriftliches Manuskript im Nachlass des Künstlers. (6) Listen meiner Öl und Tempera-Bilder in Privatbesitz, aufgestellt: 1941–43, Nr. 87, dazu von Schreiber notiert: „Geschenk an die Kunsthalle Bremen Kunstfreunde zu meinem 50. Geburtstag“.
Abmessungen
  • Objekt: 51 x 64,5 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
507-1943/2
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Gustav Adolf Schreiber (*Bremen 1889 - † Bremen 1958), Maler

Werk
Titel
Am Strand
Entstehungsdatum
1938
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 51 x 64,5 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten links datiert und monogrammiert: GAS 38
Erwerbsinformation

    1943

  • Geschenk Prof. Dr. Emil Waldmann 1943
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

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