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Arthur Fitger (*Delmenhorst 1840 - † Bremen 1909), Maler

Wandbildentwurf: Winzerfest , 1895

Der in Fitgers Aufstellung zuerst genannte Entwurf für den Remter des Hamburger Rathauses ist der mit Tanz und Gesang gefeierten Weinlese gewidmet. Sein Vorschlag dazu lautete: „Winzerfest. Fahrende Musikanten mit Schankmädchen kosend, hie und da Amoretten, auf dem Fasse als Warnungszeichen ein paar Katzen“.(1) Die Verse darunter gaben das Motto an: „Sehet im Osten und im Westen keltert man Trauben zu Festen, Gott gab zur Freude den Wein“. Dem Thema entsprechend sind die Figuren in beschwingter Gruppierung um das Weinfass in der Mitte geordnet: Eines der beiden Paare in altdeutscher Tracht dreht sich, die Reben zertretend, zu den Klängen von Cello und Geige im Tanz. Links bringt ein Ochsengespann ein neues Fass heran, Putten beleben die Szene. Für das tanzende junge Liebespaar dürfte Tizians Bacchanal als Vorbild gedient haben, wie auch die der Tanzmusik entsprechende, beschwingte Anordnung der Figuren in Tizians Gemälde im Prado wieder zu finden ist.(2) Einen Rückgriff auf barocke Deckengemälde zeigen dagegen die Musikanten, die ihre Beine über die Brüstung geschwungen haben und auf diese Weise die Musik scheinbar in den realen Raum hinein erklingen lassen. Fitger war ein großer Musikliebhaber. In seiner repräsentativen Gründerzeitvilla am Rande von Bremen verkehrten Johannes Brahms, Richard Wagner und Gustav Mahler, und es wurden dort prunkvolle Feste mit konzertanten Aufführungen gefeiert. Den Anspruch seiner Freskenmalerei im Hamburger Ratsweinkeller unterstreicht ein Selbstbildnis in der Mitte des Raumes in einem Arkadenbogen unter der Decke. Fitger zeigt sich hier offensichtlich vom Wein berauscht als Würdenträger im Pelz mit goldener Kette. Damit stellt er sich selbstbewusst in die Reihe der Künstlerbildnisse von Raffael in den Stanzen bis zu Tiepolo im Treppenhaus der Würzburger Residenz. Der Vers unterhalb der Darstellung lässt die schalkhafte Note erkennen, mit der er selber wohl alle diese weinseligen Bilder verstanden wissen wollte: „Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann“. Dieser Entwurf erfuhr bei seiner Ausführung im Remter einige kleinere Ergänzungen und Veränderungen. Statt des Blumenstöckchens schwingt die Trauben tretende Tänzerin ein Tambourin. Im Entwurf wendet sich der Bauer nach rechts, in der Ausführung ließ Fitger ihn nach links aus dem Bild schauen und ergänzte einen Putto auf einem nunmehr quer auf dem Wagen gelagerten Weinfass. Dies geschah möglicherweise zum Zwecke der besseren Einbindung des Gemäldes in den Raum, weswegen wohl auch einige Weinranken auf der Brüstung hinzugefügt wurden. Im Remter befindet sich in der Mitte des Fassbodens eine Maueröffnung, die Fitger sozusagen als hochrechteckige Fassleiste geschickt in die Darstellung einband. Katharina Erling (1) Handschriftliche Aufstellung in: Rathausbaukommission 322–1, 193: Fertigstellung und Einweihung des Ratsweinkellers 1892–1896. (2) Öl auf Leinwand, 175 x 193 cm, Museo del Prado, Madrid, Inv. Nr. 418.
Abmessungen
  • Objekt: 139 x 230 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
1106-1973/10
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Arthur Fitger (*Delmenhorst 1840 - † Bremen 1909), Maler

Werk
Titel
Wandbildentwurf: Winzerfest
Entstehungsdatum
1895
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 139 x 230 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Erwerbsinformation

    1973

  • Geschenk der Erben Dr. Paul Crasemann, Hamburg 1973
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

Kollektionen