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Rudolf Tewes (*Bremen 1879 - † Bremen 1965), Maler

Landschaft bei Granada , 1911

Von einem Baum auf einer Wiese im Vordergrund führt der Blick über eine sorgfältig komponierte Gartenlandschaft mit Zypressen, Laubbäumen und dichtem Buschwerk auf die sonnenbeschienenen Gebäude des Generalife. Dieser Sommerpalast der Sultane von Granada liegt auf einem Hügel oberhalb der Alhambra inmitten weitläufiger Gartenanlagen. Im Hintergrund sieht man das Meer mit einem Dunststreifen am Horizont unter einem hohen Himmel. Das Licht zeichnet scharfe Umrisse, im Hintergrund verschwimmen die Konturen. Bäume und Buschwerk sind aus kleinen, flächig strukturierten Farbfeldern in unterschiedlichsten Grüntönen aufgebaut, die sich zu kompakten Formgebilden schließen. Ihre rhythmische, vertikale Anordnung entspricht der hochformatigen Fläche des Bildes. Die Gebäudeteile im Mittelgrund setzen lichte sandfarbene Kontraste in der Horizontalen. Sowohl die Farben von hellem Blau und Gelbgrün über dunklere Schattierungen bis zum hellen Pastellgrün und Blauviolett des Meeres als auch die flächig gebaute Landschaft lassen die Auseinandersetzung mit dem Werk Cézannes erkennen. Tewes malte das Bild 1911 auf einer nicht weiter dokumentierten Reise nach Spanien, während der auch mehrere Bildnisse seiner ersten Frau Cecilia de Madrazo sowie weitere Ansichten von Granada entstanden(1). Der Künstler lebte damals in Paris, setzte sich dort mit den wichtigsten Künstlern der französischen Moderne auseinander und befand sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Er beschickte mehrere Ausstellungen in Frankreich und Deutschland und hatte sich im Dezember 1910 in seiner Heimatstadt mit einer ehrenvollen Präsentation seiner Bilder neben Werken van Goghs, Gauguins und den französischen Impressionisten einen Namen gemacht. In dieser Ausstellung waren auch eine Reihe von spanischen Landschaften mit Ansichten von Granada, der Alhambra und dem Palast Generalife zu sehen, die vermutlich aus der Zeit seines ersten Spanienaufenthaltes 1908 mit Leo von König und Julius Meier-Graefe stammten(2). Das vorliegende Gemälde fand 1921 in anlässlich seiner Ausstellung in den Hamburger Hansa-Werkstätten lobenden Zuspruch: „Doch weiß er mit zarter Sachlichkeit seinen Bildern einen herben Reiz zu geben, wie etwa jenem kaltgrünen Olivenhain über dem sich ein kastellgekrönter Hügel leuchtend sandgelb erhebt und hinten blaues Meer sich dehnt.“(3) Spanische Landschaften und Motive bilden einen Schwerpunkt in Tewes’ gesamtem Werk; Granada und die Alhambra hat er auch in späteren Jahren gerne gemalt. Katharina Erling (1) Rudolf Tewes 1879–1965. Gemälde, Handzeichnungen und Aquarelle, Kat. Ausst. Kunsthalle Bremen 1979, Kat. Nr. 17–23. (2) Ausstellungsbuch 1906–1913, S. 142: Dezember 1910, Nr. 587–606: 20 Gemälde, Nr. 588: Generalife, Nr. 589: Granada, Nr. 594: Generalife (groß), Nr. 596: Alhambra. S. dazu die Besprechung von Gustav Hartlaub: Aus der bremischen Kunsthalle. Van Gogh, Gauguin, Tewes, in: Bremer Nachrichten, 21. Dezember 1910: „Die Landschaft mit dem Sonnen beschienenen Schloss Generalife am Horizont – sprühend von Farbengarben und dabei als Motto sehr schön.“ (3) F.A.H., in: Kunst und Künstler 20, 1921/22, S. 148.
Abmessungen
  • Objekt: 55,3 x 38,3 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
795-1959/14
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Rudolf Tewes (*Bremen 1879 - † Bremen 1965), Maler

Werk
Titel
Landschaft bei Granada
Entstehungsdatum
1911
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 55,3 x 38,3 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten links betitelt und datiert: Tewes 1911
Erwerbsinformation

    1959

  • Erworben mit Hilfe von Stiftungen Bremer Kunstfreunde 1959
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

Kollektionen