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Ernst Heinrich Wilhelm Hampe (*Bremen 1806 - † Rom 1862), Maler

Der Friedhof von St. Peter in Salzburg , 1834

Das Bild zeigt den Salzburger Friedhof St. Peter mit seinen umgebenden Gebäuden im nächtlichen Mondschein. Im Gräberfeld, das sich bis zum vorderen Bildrand erstreckt, hält ein Totengräber beim Ausschachten eines Grabes inne: Er neigt den Kopf, die Hände ruhen auf der Schaufel. Das unregelmäßige, leicht ansteigende und von Wegen durchkreuzte Terrain des alten Friedhofs mit seinen zahlreichen, teils schmiedeeisernen Kreuzen wird rechts von den Arkaden aus dem Jahr 1627 begrenzt.(1) Dahinter steigen die hohen Felswände des Mönchsbergs an, überragt von der mittelalterlichen Festung Hohensalzburg, dem Wahrzeichen der Stadt. Links beherrscht die 1485 bis 1491 erbaute spätgotische Margarethenkapelle mit ihrer in den nächtlichen Himmel ragenden Laterne das Bildfeld. Auf seiner Reise nach Rom, die Hampe wohl 1834 von Bremen aus antrat, machte er unter anderem Station in Salzburg.(2) Mit dem Friedhof wählte er ein überaus malerisches Motiv, das sich in der Romantik großer Beliebtheit erfreute. Neben Caspar David Friedrichs Friedhofsdarstellungen verschiedener Orte sind besonders jene des Salzburger Petersfriedhofs in die Kunstgeschichte eingegangen.(3) Hier verschmolzen religiöse wie nationale Mittelaltersehnsucht mit elementaren Gedanken über Tod und Naturempfindung. Das Gräberfeld selbst und die sich daran knüpfenden Vorstellungen und Todessehnsüchte sind ein verbreiteter Topos in der Romantik, ebenso die mittelalterliche Burg, die Erinnerungen an – freilich verklärtes − Rittertum heraufbeschwört. Die (spät-)gotische Kapellenarchitektur steht für den christlichen Glauben, während der Mond die Szenerie in ein mystisches Licht hüllt und eine Stimmung erzeugt, die diese verschiedenen inhaltlichen Aspekte zusammenbindet. Der von Hampe gewählte Standort mit Blick auf die fast kulissenartige Ansicht wurde von den meisten Künstlern favorisiert, die sich dem Sujet widmeten. Zwar tauchen in diesen Werken vereinzelt auch Menschen oder gar Prozessionszüge auf, doch kein Totengräber, wie ihn der Bremer Künstler eigenwillig in Augenhöhe des Betrachters in einem Grab stehend zeigt. Der Mond beleuchtet das Haupt des alten Mannes. Ein Totenschädel liegt als memento mori vor ihm, eine Laterne auf dem Sargdeckel spendet spärliches, doch warmes Licht. Der Arbeitende wirkt gänzlich aufgehoben, umschlossen von der Friedhofsszenerie, die dadurch nicht als ein Ort des Grauens charakterisiert wird, sondern andächtige Stille und Geborgenheit vermittelt. Der Totengräber übernimmt damit eine ähnliche Funktion wie die von Caspar David Friedrich bekannten Identifikationsfiguren, die den Zugang zum Sinngehalt des Bildes erleichtern. Der Alte, der nicht zuletzt sein eigenes Lebensende vor Augen hat, lässt den Betrachter seinerseits über Vergänglichkeit und Tod nachdenken. Dabei hat der christliche Auferstehungsglaube seine umfassende Gültigkeit offenbar eingebüßt, denn der Totengräber hat sich von der Kapelle abgewandt und erscheint so gänzlich auf sich zurückgeworfen: Das Individuum steht allein in der Welt, ohne eindeutige Gewissheit über das Dasein und dessen Bestimmung. Hampe verbildlicht damit ein großes Panorama romantischer Kerngedanken. Die glatte, feine Malweise und der stimmungsvolle Ausdruck sind typische Merkmale der Dresdener Romantik, von der Hampe seit seiner Studienzeit stark beeinflusst war. Meistens haben Künstler den Friedhof von St. Peter mit der Festung Hohensalzburg zeichnerisch wiedergegeben; dabei unterscheiden sich die Arbeiten in der jeweils gewählten Ansicht und in der künstlerischen Aussage. Auf einer der ältesten Darstellungen, 1815 von Carl Philipp Fohr in Aquarell gefertigt, findet sich bereits der Ausschnitt mit der Margarethenkapelle links, den Arkaden rechts und der alles überragenden Festung. Diese Perspektive erfreute sich anschließend besonderer Beliebtheit und wurde auch von Hampe gewählt.(4) Fohr legte jedoch die Betonung auf ein historisches Moment, indem er eine mittelalterliche Prozession ins Bild setzte. Bekannt sind ferner die Zeichnungen und Lithographien verschiedener Ansichten des Petersfriedhofs von Ferdinand Olivier, die wesentlich zur Verbreitung des Motivs beigetragen haben. Später folgten Künstler wie der aus Heidelberg stammende Ernst Fries, dessen 1820 entstandene Zeichnung im Bildaufbau und Betrachterstandpunkt große Ähnlichkeit mit Hampes Werk aufweist.(5) Die 1822 von Fries in Öl gemalte Ansicht des Friedhofs weicht in der Perspektive von seiner Zeichnung sowie von Hampes Bild ab, doch taucht er die Szenerie wie der Bremer Maler mehr als zehn Jahre später in mystisches Mondlicht.(6) Bei dem Gemälde legt Fries im Unterschied zur Zeichnung stärkere Betonung auf die Margarethenkapelle, in die überdies eine lange Prozession Gläubiger einzieht. Zeichnung und Gemälde von Fries stehen Hampes Bild insgesamt sehr nahe, so dass ihm möglicherweise diese oder ähnliche Werke bekannt gewesen sind. Vieles könnte er während seines Aufenthaltes in Salzburg gesehen haben, denn seine Porträtaufträge für hohe Geistliche des Salzburger Domes haben ihn für längere Zeit in der österreichischen Stadt verweilen lassen.(7) Alice Gudera (1)Vgl. Conrad Dorn / Andreas Lindenthaler: Der Friedhof zu St. Peter in Salzburg, Salzburg 1982. (2) Die Zuordnung des Bildes zu dem Berliner Maler Karl Friedrich Hampe in älteren Katalogen trifft sicher nicht zu; siehe die Korrektur durch Gerhard Gerkens / Ursula Heiderich: Katalog der Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts in der Kunsthalle Bremen, Bremen 1973, Bd.1, S. 134f., Bd. 2, Abb. 26. (3) Esther Straub-Fischer: Der Salzburger Friedhof zu St. Peter in den Zeichnungen deutscher Romantiker, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 106, 1966, S. 347−354. (4) Prozession auf dem St.-Peter-Friedhof in Salzburg, Dresden, Kupferstichkabinett; vgl. ebd., Abb. 2. (5) Bleistift, Tuschlavierung, 20,8 x 31,0 cm, Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett; Sigrid Wechssler: Ernst Fries (1801−1833). Monographie und Werkverzeichnis, Heidelberg 2000, Nr. 60, S. 149, Abb. S. 150. (6) Öl auf Leinwand, 24,0 x 30,5 cm, Verbleib unbekannt, ehemals Slg. Kuenze-Graefe, Berlin; Wechssler (wie Anm. 5), Nr. 103, S. 161f.; Karl Lohmeyer: Verzeichnis der im Kurpfälzischen Museum der Stadt Heidelberg vom 1. Juni bis 1. Oktober 1927 ausgestellten Werke von Ernst Fries. Landschaftsmaler aus Heidelberg 1801−1833, Heidelberg 1927, Abb. 55. – Eine weitere Darstellung in Öl stammt von Domencio Quaglio und zeigt annähernd den hier in Frage stehenden Ausschnitt. Jedoch liegt die Betonung auf der Maximuskapelle rechts und die in Prozession schreitenden Gläubigen; von der Margarethenkapelle ist nur die Laterne zu erkennen; Öl auf Holz, 45,5 x 54 cm, 1819, Salzburg Museum; Stadt Salzburg. Ansichten aus fünf Jahrhunderten (Jahresschrift des Salzburg Museum, Bd. 51), hg. von Erich Marx und Peter Laub, Salzburg 2008, Abb. S. 84. (7) Bekannt ist, dass Hampe 1835 den Salzburger Erzbischof Gruber porträtierte (Salzburg, Erzbischöfliches Palais) sowie im selben Jahr Friedrich Fürst zu Schwarzenberg als Domizellar (Salzburg, Dommuseum); Meisterwerke europäischer Kunst. 1200 Jahre Erzbistum Salzburg, Kat. Ausst. Dommuseum Salzburg 1998, Nr. 131, S. 226−229.
Abmessungen
  • Objekt: 75 x 90,5 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
418-1933/14
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Ernst Heinrich Wilhelm Hampe (*Bremen 1806 - † Rom 1862), Maler

Werk
Titel
Der Friedhof von St. Peter in Salzburg
Entstehungsdatum
1834
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 75 x 90,5 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten rechts signiert und datiert: Hampe: fec 834
Erwerbsinformation

    1933

  • Geschenk des Galerievereins 1933
Provenienz
  • 13.2.1934 Buch- und Kunsthandlung H. Jördens
  • 13.2.1934 Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen als "Geschenk des Galerievereins"
  • Creditline
    • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

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