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Arthur Fitger (*Delmenhorst 1840 - † Bremen 1909), Maler

Vom Blitz getroffene Eiche ,

Laut Bericht seines Neffen, des Malers Hermann Fitger,(1) soll Fitger hier eine gestürzte Eiche in der Riensberger Straße in der Nähe seines Wohnhauses gemalt haben. Soweit bekannt, hat Fitger keine Landschaftsstudien in freier Natur betrieben, da er das bloße Abmalen eines Stückes Natur für unkünstlerisch hielt. Auch in dieser Naturstudie geben Malweise und Komposition schnell einen idealistischen Zugang zu erkennen, der in dem gestürzten Baum eher die sinnbildliche Wirkung festhält als die natürliche Gegebenheit: Im Vordergrund liegt der weißlich braune Stamm des vom Blitz getroffenen Baumes, seine toten, kahlen Aststümpfe ragen wie ausgestreckte Arme dramatisch in den Bildraum. Den Kontrast dazu bilden zwei mächtige Eichbäume im Hintergrund, deren grüne Kronen, zu einer vereint, aufrecht in den Himmel ragen. Die Gegenüberstellung der standhaften grünen Eichen mit dem weißlich grauen Stumpf des getroffenen „Kadavers“ spielt auf theatralische Weise mit der romantischen Metapher vom Baum als Sinnbild für Leben und Tod. Eine dramatische Inszenierung durchzieht auch die bewegten Silhouetten der Landschaft im Hintergrund und setzt sich in den düsteren Gewitterwolken fort, die allmählich davonziehen und das Abendrot durchscheinen lassen. Die ausladende Bewegung in der Komposition entspricht der Gestaltungsweise von Fitgers monumentalen Bildgefügen. Auch die Lichtregie und die schwungvoll skizzierende Pinselschrift folgen diesem Tenor. In der Lichtführung ist der Unterschied zu den Pleinair-Malern vielleicht am deutlichsten zu erkennen. Das Licht ist kein natürliches, sondern eher ein Bühnenlicht, das den Moment des dramatischen Geschehens hervorhebt, indem es die Stümpfe und den gestürzten Baum in der Mitte erhellt und lange Schatten wirft. Den Theatereffekt unterstreicht auch die kulissenartige Staffelung der Landschaft mit dem schmalen grauen Streifen der Straße als Bühnenrand im Vordergrund. In Fitgers Zeichnungen spielt das Naturstudium durchaus eine wichtige Rolle, doch geht es in diesen vor allem im klassischen Sinne um Bewegungsstudien von Mensch und Tier. Die Landschaft erscheint bei Fitger vor allem als Hintergrundszenerie, tritt aber nie, wie hier, als eigenes Bildthema auf. So dürfte dieses Bild als Entwurf zu verstehen sein, möglicherweise für eine Theaterkulisse oder, im Sinne etwa von Deckengemälden des Barock und Rokoko, als Hintergrundmotiv für eine dramatische Szene. Katharina Erling (1) Gerhard Gerkens / Ursula Heiderich: Katalog der Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts in der Kunsthalle Bremen, 2 Bde., Bremen 1973, S. 104.
Abmessungen
  • Objekt: 67,5 x 51 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
495-1940/5
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Arthur Fitger (*Delmenhorst 1840 - † Bremen 1909), Maler

Werk
Titel
Vom Blitz getroffene Eiche
Entstehungsdatum
undatiert
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 67,5 x 51 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Erwerbsinformation

    1940

  • Geschenk des Galerievereins 1940
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

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