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Stephan Messerer (*Bremen 1798 - † Bremen 1865), Maler

Tiroler Gebirgslandschaft , 1834

Die Tiroler Gebirgslandschaft zeigt ein Tal mit einem Bach, der zwischen steilen, felsigen Ufern auf den Betrachter zufließt. Links führen ein hölzerner Steg mit Handlauf und ein Weg in die Tiefe. Dort stehen zwei Männer mit Gewehr und Hut, wahrscheinlich Jäger, und unterhalten sich. Der Bach verengt sich auf ihrer Höhe, ein kleiner Wasserfall schäumt über das felsige Flussbett. Im Hintergrund wird das Ufer flacher und Bäume säumen den Flussverlauf. Ob dieser sich hier zu einem kleinem See erweitert, ist nicht klar zu erkennen. Am steinigen Ufer stehen zwei Sennhütten, hinter denen Vorberge auf die gletscherbedeckten Alpen überleiten. Goldene Wolkenschleier durchziehen den blauen Himmel. Während der befestigte Weg links von menschlicher Zivilisation zeugt, scheint die Natur im Bild überwiegend unwegsam: Die lehmigen Ufer des Baches wirken einem Erdrutsch nahe, manche Stellen scheinen gar jüngst heruntergebrochen zu sein. Aus einer scharfen Rasenkante am steilen Hang des linken Ufers ragen Baumstümpfe hervor. Womöglich gehören sie zu den am Ufer liegenden Stämmen. Darüber hinaus schäumt der Bach im Vordergrund über Steingeröll. Die Staffagefiguren lassen den Blick zunächst im Mittelgrund verweilen. Die hohen Ufer zu beiden Seiten des Baches, die zum Bildmittelgrund abfallen, bilden hingegen einen Rahmen, der die Aufmerksamkeit des Betrachters vor allem auf die Sennhütten und die Alpen lenkt. Zu dieser Blickführung tragen auch das Licht und die Farbgestaltung bei. Ist der Vordergrund in dunklen, klaren Grün- und Brauntönen gehalten, so spiegelt die weiße Gischt des Baches den Schnee der Gletscher wider. Der Verblauungseffekt lässt die Berge des Hintergrundes sphärisch erhellt erscheinen. Der Künstler kontrastiert in diesem Bild die Wildnis mit der vom Menschen bewohnten und genutzten Natur. Er verzichtete jedoch auf die dramatische Zuspitzung, die sein 1828 gemaltes Bild Der Waldbach aufweist. Der Bach, die Genrefiguren und der offene Hintergrund, die auch schon bei Der Waldbach begegneten, sind hier gleichmäßiger in Szene gesetzt. Auch das starke Helldunkel und die bewegte Lichtregie sind nun zurückgenommen. Messerer arbeitet feinmalerisch und naturalistisch, geprägt von einer realistischen Kunstauffassung, wie sie für Romantik und Biedermeier charakteristisch sind. Zugleich sind die Bezüge zur niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts unverkennbar: Motiv und Komposition weisen enge Verwandtschaft beispielsweise mit den Arbeiten von Jacob van Ruisdael (1628/29–1682) auf. Susanne Molkenthin
Abmessungen
  • Objekt: 54,7 x 80 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
89-1865
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Stephan Messerer (*Bremen 1798 - † Bremen 1865), Maler

Werk
Titel
Tiroler Gebirgslandschaft
Entstehungsdatum
1834
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 54,7 x 80 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten rechts signiert und datiert: Messerer. 1834.
Erwerbsinformation

    1865

  • Erworben von der Kunsthalle Bremen 1865
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow