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Arthur Fitger (*Delmenhorst 1840 - † Bremen 1909), Maler

Zwei Kinder an einem Schwanenteich , 1892

Die Ölskizze soll im Zusammenhang mit Wandbildern nach Deutschen Volksmärchen entstanden sein, die Fitger in einem Haus der Familie Hachez schuf.(1) Ob es sich dabei um das Haus des Kaufmanns und Reeders Joseph Johannes Arnold Hachez (1828–1901) in der Contrescarpe 20 handelte – was wahrscheinlich ist –, oder um das Haus des Zigarettenfabrikanten Emil Hermann Hachez (1820–1875), Vater des Gründers der Schokoladenfabrik Joseph Emil Hachez, in der Contrescarpe 187, muss derzeit offen bleiben.(2) Fitger malte für eines der beiden Häuser Hachez 1894 im Speisesaal vier große hochrechteckige Paneele mit den Darstellungen: Der getreue Eckart nach der romantischen Erzählung von Ludwig Tieck von 1799, Aschenputtel nach den Gebrüdern Grimm, König Goldener nach Ludwig Bechstein (1856) sowie Ritter und Nixe, vermutlich eine Abwandlung der Erzählung von der Schönen Melusine. Ein weiteres, allerdings schmaleres Wandbild zeigte Dornröschen. In den Bogenfeldern darüber waren Rotkäppchen und Schneewittchen dargestellt.(3) Die vorliegende Ölskizze soll nach freundlicher Mitteilung von Wolfgang Türk ebenfalls für ein Bogenfeld in diesem Zyklus gedacht gewesen sein. Dafür spricht neben dem Querformat und der Bleistifteinrahmung in Form eines Medaillons auch das märchenhafte Motiv: Zwei Kinder, ein Mädchen mit einem Geschwister auf dem Arm, werden von Schwänen über einen See geleitet. Wie Türk vermutet, handelt es sich um eine Darstellung aus Hänsel und Gretel, eine solche soll sich ebenfalls im Hause Hachez befunden haben.(4) Vielleicht aber gehört der Entwurf auch zu einem Zyklus mit Märchenbildern, die Fitger für die Dampfer des Norddeutschen Lloyds in den Aufenthaltsräumen der ersten Klasse für die Kinder der Passagiere gemalt hat. Die Figuren sind in rötlicher und schwarzer Pinselzeichnung angelegt, die gleichzeitig den Schwung der Bewegung nach rechts festhält. Die Schwäne sind im Ton des Grundes gehalten, ihr Gefieder ist mit Weiß gehöht. Die Landschaft erscheint als dekorative Kulisse, wobei Wasser, Schilf und Wellen nur in knapper Andeutung mit der Spitze des Pinsels erfasst sind und sich in die gleitende und schreitende Bewegung der Köpfe und Schwanenhälse einfügen. Eine freie Stelle des Grundes im Bereich des Wassers und zwei mit Bleistift markierte Kreise deuten möglicherweise eine Nische oder einen Wandvorsprung in dem Raum an, für den das Bild bestimmt war. Der Entwurf legt bereits die wesentlichen Komponenten des Bildes fest: die farbliche Anlage, die Verteilung der Figuren und ihre Bewegung, und auch die Stimmung. Mit wenigen sicheren Pinselzügen sind die kindlich poetische Leichtigkeit des Märchens und der Glück verheißende Ausgang der Geschichte eingefangen. Formschönheit, Eleganz und Leichtigkeit zeichnen viele von Fitgers Ölskizzen und Entwürfen oftmals gerade im Vergleich zu der späteren Ausführung im Großformat aus, so auch den Entwurf für eine Szene aus Dornröschen in der Sammlung des Kupferstichkabinetts der Kunsthalle Bremen: Die rötlich-braun lavierte Pinsel- und Bleistiftzeichnung hält die unbeschwerte Stimmung von Eltern und Feen an der Wiege der Neugeborenen fest. Nach einer alten Abbildung zu schließen, war das ausgeführte Gemälde wesentlich kräftiger modelliert und weniger poetisch angelegt.(5) Katharina Erling (1) Diese werden erwähnt bei Helmut Wocke: Arthur Fitger, Sein Leben und Schaffen (= Breslauer Beiträge zur Literaturgeschichte, hg. von Max Koch und Gregor Sarrazin, NF, Heft 36), Stuttgart 1913, S. 142f., Nr. 83. Wocke spricht vom „Volksmärchen im Hause Hachez zu Bremen. 1894“ und nennt sechs Illustrationen: Der getreue Eckart, Aschenbrödel, Rotköpfchen, Schneewittchen, König Goldner, Ritter und Nixe. (2) Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts, Dresden 1895, S. 309, Nr. 30, erwähnt einen „grossen Fries im Speisesaale Joseph Hachez Bremen“ von 1883. Möglicherweise wurden die großen Wandgemälde mit Märchenthemen später ergänzt. Dass es sich nicht um Gemälde im Hause des Schokoladenfabrikanten Joseph Emil Hachez handeln kann, wie W. Türk annimmt, ergibt sich aus der Tatsache, dass dieser erst 1897 heiratete und bis dahin und auch danach noch in dem väterlichen Haus an der Contrescarpe 187 wohnte. (3) Über die Wandbilder im Hause Hachez ist wenig bekannt, zwei der bei Wocke 1913 (wie Anm. 1) genannten Bilder sind erhalten: Der getreue Eckart und Aschenbrödels Brautfahrt, beide hängen als Leihgabe der Städtischen Galerie Delmenhorst im Rathaus Delmenhorst. Nach frdl. Mitteilung von Wolfgang Türk vom 4. Juni 2009 handelte es sich bei Schneewittchen und Rotkäppchen um Lünettenbilder. Das heute im Landesmuseum Oldenburg befindliche Wandbild Dornröschen wird von Wocke nicht erwähnt, soll sich aber nach Türk ebenfalls im Speisesaal des Hauses Hachez befunden haben. (4) Frdl. Mitteilung von W. Türk vom 4. Juni 2009. (5) An dieser Stelle sei Frau Dr. Helke Kammerer-Grothaus, Bremen, für die frdl. Einsichtnahme in ihr gesammeltes Bildmaterial über Arthur Fitger gedankt.
Abmessungen
  • Objekt: 15 x 25 cm (Einfassung)
Raum
Inventarnummer
99-1963/17
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Arthur Fitger (*Delmenhorst 1840 - † Bremen 1909), Maler

Werk
Titel
Zwei Kinder an einem Schwanenteich
Entstehungsdatum
um 1894
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 15 x 25 cm (Einfassung)
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand, unregelmässig beschnitten
Erwerbsinformation

    1963

  • Geschenk Hermann Fitger 1963
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow