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Wilhelm Heinrich Focke (*Bremen 1878 - † Bremen 1974), Maler

Morgensonne , 1912

Der lebensgroße Rückenakt eines jungen Mannes in der Landschaft ist charakteristisch für das malerische Werk Fockes und seine Stellung in der deutschen Malerei der Jahrhundertwende zwischen Jugendstil und Impressionismus. Die idealisierten Proportionen des nackten Körpers, das Standbein-Spielbein-Motiv und der sinnend geneigte Kopf erinnern an eine antike Skulptur. Da der Akt vom Morgenlicht umspielt am sandigen Ufer eines Flusses steht, könnte man an ein morgendliches Bad denken. Doch geht es hier weniger um eine unbeschwerte Badeszene im Sinne des Impressionismus, sondern eher um die sinnbildliche Darstellung von Jugend, Schönheit und erwachendem Mannesalter, wie es in der europäischen Jugendstilmalerei etwa bei Gustav Klimt oder Ferdinand Hodler Thema war. Die weite Landschaft mit den vom Wind geneigten Kiefern und den ziehenden Wolken zeigt die Natur bei Worpswede. Die Jünglingsgestalt wird auf diese Weise aus der Sphäre des Idealen geholt und in die heimatliche Landschaft gestellt. In dieser Synthese klingt ein gewisser Zwiespalt zwischen Fockes symbolistischem Ansatz und seiner naturalistischen Prägung im Kreis der Worpsweder und der Berliner Secession an. Motiv und Thema des Bildes stehen ganz deutlich unter dem Eindruck der Malerei seines Lehrers Ludwig von Hofmann, der in der Nachfolge von Hans von Marées den männlichen Akt in der Landschaft zu einer Sinnfigur seiner paradiesischen Idyllen stilisiert hatte.(1) Diese Sinngebung wird auch im vorliegenden Bild durch die ruhige Statuarik und die nachdenklich träumende Haltung des Jünglings deutlich. Focke blieb diesem symbolisch idealistischen Ansatz seines Lehrers zeitlebens verbunden. Alle seine Lieblingsthemen, die Jünglinge, die laufend oder zu Pferd im Einklang mit den natürlichen Elementen in die Landschaft sprengen oder in ihr lagern, dürften letztlich von der Bildwelt seines Lehrers inspiriert worden sein. Die weiträumige, lichterfüllte Landschaft und die strichelnd vorgetragenen, farbigen Lichtflecken zeigen darüber hinaus die Auseinandersetzung mit der Malerei des deutschen Impressionismus im Kreis der Berliner Secession um Max Liebermann. Das Bild darf als Hauptwerk der frühen Jahre Fockes angesehen werden. 1912 war es als bislang teuerstes Bild des Künstlers in der Bremer Kunsthalle ausgestellt, fand damals aber keinen Käufer.(2) In seiner spannungsvollen Mischung von idealistischem Anspruch und realistischer Darstellung ist es repräsentativ für Fockes künstlerisches Schaffen. Katharina Erling (1) Auch Hofmann hat ein Bild Morgensonne gemalt, es war 1907 in der 2. Deutschen Künstlerbund-Ausstellung in Berlin ausgestellt (Kat. Nr. 75). (2) Vgl. Ausstellungsbuch 1912–1922, S. 1, Nr. 635. Das Bild wurde für 3000,- Mk. zum Verkauf angeboten, ging jedoch laut diesem Eintrag an Focke zurück.
Abmessungen
  • Objekt: 180 x 110,5 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
994-1968/6
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Wilhelm Heinrich Focke (*Bremen 1878 - † Bremen 1974), Maler

Werk
Titel
Morgensonne
Entstehungsdatum
1912
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 180 x 110,5 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten rechts datiert und monogrammiert: W F. 12.
Erwerbsinformation

    1968

  • Dauerleihgabe des Senators für das Bildungswesen 1968
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

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