Größere Ansicht

Gustav Adolf Schreiber (*Bremen 1889 - † Bremen 1958), Maler

Japanerin , 1927

Das Brustbild einer Japanerin in traditioneller japanischer Kleidung ist 1927 während Schreibers Ostasienreise entstanden.(1) Die sorgfältige Aufmachung der jungen Frau im schwarzen Kimono mit weißem Kragen, rotem, an den Aufschlägen hervorschimmernden Unterkimono, aufgesteckter Haartracht und dem Fächer in ihrer Hand sowie die Bambusarchitektur im Hintergrund lassen an eine Geisha bei einer japanischen Teezeremonie denken. Dem entspricht auch ihre vornehm disziplinierte Haltung. Neben der Zubereitung des Tees waren die Geishas, deren Erscheinung allein schon einem Kunstwerk glich, in verschiedensten traditionellen Künsten wie Tanz, Gesang und Musizieren ausgebildet. Sie standen für die Unterhaltung von Gästen in Teehäusern oder bei sonstigen Veranstaltungen zur Verfügung. Frauenporträts waren Schreibers bevorzugte Sujets, und so hat er während seiner Ostasienreise 1925–27 neben Landschaften auch mehrere Japanerinnen gemalt. Die strenge Zurückhaltung der Dargestellten in dem Bremer Bild entspricht der Rolle der Geisha bei ihrem öffentlichen Auftritt. Die verhaltenen Grau-, Braun- und Schwarztöne, die sparsam gesetzten Farbakzente sowie die markante, weich fließende Linienführung lassen Schreibers Auseinandersetzung mit der japanischen Tuschpinselzeichnung erkennen. Malerisch fühlt man sich dabei auch an die flächig gehaltenen Bildnisse von Edouard Manet erinnert, der ja ebenfalls durch die japanische Kunst angeregt wurde. Bereits in der September-Ausstellung der Kunsthalle Bremen des Jahres 1926 waren zwei japanische Bildnisse von Schreiber zu sehen und fanden in der Presse besondere Erwähnung: „Die wertvollsten unter den ausgestellten Arbeiten Schreibers scheinen die beiden Bildnisse ‚Japanerin‘ und ‚Japanerin mit Fächer‘ zu sein […] An beiden Bildern besonders fesselnd die Sparsamkeit in den aufgewendeten Mitteln, die mit wenigen leuchtenden Flecken gegen eine tonige Hauptfarbe oder mit einem schlichten Gegensatz – Schwarz-Violett – den Eindruck reicher exotischer Fülle gewinnen.“(2) Zwei weitere Bilder von Japanerinnen, ein Profilbildnis und eine Japanerin mit rotem Obi waren 1927 im Graphischen Kabinett in Bremen ausgestellt und fanden aufgrund ihrer reizvollen Farbzusammenstellung auch bei dem Kustos der Bremer Kunsthalle, Wilken von Alten, besondere Bewunderung.(3) Katharina Erling (1) S. dazu den rückseitigen Aufkleber des Kunstvereins Bremen mit dem handschriftlichen Vermerk: „November 1933“. Wie aus dem Ausstellungsbuch 1930–1935 im Archiv der Kunsthalle hervorgeht, waren im November 1933 zwei Bilder von Gustav Adolf Schreiber in der November-Ausstellung zu sehen: Nr. 4047: Sommerlandschaft (450,-), unverkauft, und Nr. 4210: Landschaft mit Baum (250,-), nicht verkauft. (2) Listen meiner Öl und Tempera-Bilder in Privatbesitz, aufgestellt: 1941–43, Nr. 84: „Kleine Sommerlandschaft aus Fischerhude mit Baum“; Nr. 86: „Kleine Sommerlandschaft (Wiesenbild mit Heuhaufen aus Fischerhude)“. (3) Robert Kain: Bremer Kunstnachrichten, in: Bremer Nachrichten, 22. Mai 1924.
Abmessungen
  • Objekt: 73 x 50 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
878-1963/6
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Gustav Adolf Schreiber (*Bremen 1889 - † Bremen 1958), Maler

Werk
Titel
Japanerin
Entstehungsdatum
1927
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 73 x 50 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten links datiert und monogrammiert: GAS 27
  • verso oben nach unten/rechts nach links in japanischen Schriftzeichen bezeichnet: Nihon Tokyo/Susumu
Erwerbsinformation

    1963

  • Erworben aus Mitteln der Freien Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde) 1963
Provenienz
  • 1958 Mally Schreiber (1891 - 1979) erworben als Nachlass des Künstlers
  • 9.4.1963 Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen erworben von Mally Schreiber aus Mitteln der Freien Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde)
  • Creditline
    • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

    Kollektionen