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Hermann Sandkuhl (*Bremen 1872 - † Berlin 1936), Maler

Bildnis Senator Hermann Hildebrand , 1911

Dargestellt ist Hermann Christian Ferdinand Hildebrand (Minden, 27. September 1849 – Bremen, 6. Oktober 1939), ein Freund des Vaters von Herman Sandkuhl aus der Bremer Zeit.(1) Nach dem Tod des Vaters 1884 dürfte der damals als Jurist und Notar in Bremen tätige Hildebrand den jungen Maler während seiner Berliner Studienzeit finanziell unterstützt haben. 1895 wurde Hildebrand Senator der freien Hansestadt Bremen. 1917 wurde er zum Bremer Bürgermeister gewählt und übte dieses Amt nach dem Ende der Bremer Räterepublik von 1919–1920 aus. Hildebrand setzte sich im besonderen Maß für das Wohlfahrtswesen ein, begründete 1897 die Zentrale für private Fürsorge und stand dem Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes vor.(2) In diesem Sinne unterstützte er junge Künstler in Bremen und kaufte Bilder von ihnen, so u. a. auch von Walter Bertelsmann. Das Porträt zeigt Hildebrand im Alter von etwa 65 Jahren und dürfte daher kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden sein. In dieser Zeit hatte sich Sandkuhl als Organisator der Gründung der Juryfreien Kunstschau in Berlin einen Namen gemacht und verdiente seinen Lebensunterhalt als Porträtist auch hochgestellter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. So malte er um 1913 zwei Bildnisse von Kaiser Wilhelm II.(3) Denkbar ist aber auch, dass Sandkuhl seinen Gönner als Bürgermeister von Bremen 1919/20 malte. Das Halbfigurenbild des Bremer Senators im Frack mit weißen Manschetten und Frackhemd, wie er mit einem Schriftstück in der Hand in einem Armstuhl sitzt, erinnert zunächst an ein herkömmliches Gesellschaftsporträt. Es ist mit raschem breitem Pinselstrich und in fein abgestimmten dunklen Tönen gemalt. Das Braun des Lehnstuhls korrespondiert mit dem Blaugrau des Grundes, dem Grauschwarz eines im Hintergrund angedeuteten Möbelstücks und dem Blauschwarz des Anzugs. Ein helles Licht liegt auf Kopf und Händen, durchbricht die dunkle Farbigkeit und lenkt das Augenmerk auf die Persönlichkeit des Dargestellten. Der Kopf mit den markanten, energischen Gesichtszügen hebt sich durch dicht gesetzte, kurze Pinselzügen plastisch von der relativ flächig gemalten Gestalt ab. Der scharf beobachtende, kluge Blick unter buschigen Augenbrauen und der leichte Anflug von Humor um den Mund vermitteln den Eindruck eines tatkräftigen, unkonventionellen und kernigen Charakters, dem der Maler durchaus mit Sympathie nachspürte. Der schlichte, private Rahmen, die dunkle Tonigkeit, die Betonung des Psychologischen und die breite Malweise lassen Sandkuhls Prägung zwischen Realismus und deutschem Impressionismus während seiner Studienjahre in Berlin und Dresden und als Meisterschüler von Leopold Graf von Kalckreuth in Stuttgart erkennen. Kalckreuths Einfluss wird im Vergleich mit dessen Bildnis Alfred Lichtwarks von 1912 in der Hamburger Kunsthalle deutlich.(4) Die sachliche Annäherung, die fleckigen Lichteffekte und die Betonung des flüchtigen Augenblicks, wie sie die schnelle Handhabung des Pinsels bei der Modellierung von Händen und Gesicht vor Augen stellt, verweisen auch auf die Nähe zur Bildnismalerei von Max Liebermann und den Berliner Sezessionisten, in deren Umfeld Sandkuhl als angehender Maler gelebt hatte. Während seines Aufenthaltes 1906/07 an der Académie Julian in Paris hatte er sich auch mit der Malerei des französischen Impressionismus auseinandergesetzt und Anregungen daraus vor allem in einem verstärkten Einsatz von Lichteffekten übernommen, ohne jedoch die Gegenstände im Licht aufzulösen. Das Licht bleibt bei ihm ein Mittel zur Verstärkung der Kontraste und der plastischen Modellierung; das zeigt sich besonders auch in seinen Porträts der Zeit ab 1910. Katharina Erling (1) Das Bildnis befindet sich seit der Gedächtnisausstellung 1937 in der Kunsthalle. Damals war es verkäuflich. Woher es stammt, ist ungewiss. Möglicherweise gelangte es ähnlich wie Weg am Berghang als Stiftung aus dem Besitz des Dargestellten in die Sammlung. (2) S. dazu Herbert Schwarzwälder: Das große Bremen-Lexikon, Bremen 2002, S. 324. (3) Kaiser Wilhelm II. in Uniform, vermutlich Öl, verschollen, s. dazu: Monika Titze / Lotte Sandkuhl / Stefan Sandkühler: Herman Sandkuhl, Leben und Werk, Kat. Ausst. Künstlergilde Buslat, Schloss Bauschlott, Karlsruhe 1980, Kat. Nr. 5006, 5007. (4) Öl auf Leinwand, 99,5 x 85 cm, in: Katalog der Meister des 19. Jahrhunderts in der Hamburger Kunsthalle, bearbeitet von Eva Maria Kraft und Carl-Wolfgang Schümann, Hamburg 1969, Nr. 1813 mit Abb.
Abmessungen
  • Objekt: 60 x 78 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
1316-1991/13
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Hermann Sandkuhl (*Bremen 1872 - † Berlin 1936), Maler

Werk
Titel
Bildnis Senator Hermann Hildebrand
Entstehungsdatum
um 1913
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 60 x 78 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • oben links signiert: Hermann Sandkuhl
Erwerbsinformation
  • Alter Bestand
Creditline
  • Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen

Kollektionen