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Wilhelm Heinrich Focke (*Bremen 1878 - † Bremen 1974), Maler

Pferdegespann im Watt , 1920

Focke war ein leidenschaftlicher Reiter und Pferdeliebhaber. Pferde gehörten zu seinen liebsten Modellen, und seine Skizzenbücher sind voll mit Blättern, in denen er immer wieder die verschiedensten Stellungen und Bewegungsabläufe der Tiere studierte. In seinen Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden wird das Thema Pferd – bis in die 1940er Jahre eines seiner am häufigsten gemalten Motive – in unterschiedlichsten Bedeutungsebenen variiert. Man begegnet Pferd und Mensch als Inbegriff von jugendlicher Kraft und edler Schönheit, Reitern in schneller Gangart oder sich frei bewegenden Pferden in ihrer natürlichen Umgebung. Auch im vorliegenden Bild geht es zunächst um die edle Erscheinung der beiden in ihrem Temperament gezügelten Tiere im Vordergrund. Der Wattwagen, den sie ziehen, bleibt außerhalb der Bildfläche. Die geballten Wolken am stahlblauen Himmel unterstreichen den Eindruck gebändigter Kraft, die im nächsten Moment losgelassen wird. Die Weite des Watts mit einem zweiten, bereits davonrasenden Wattwagen steigert diesen Eindruck. Das wandernde Licht in den Wolken, die leuchtenden Farben und die schwungvolle, spontane Malweise betonen das Momentane der Szene und das Atmosphärische der natürlichen Gegebenheiten. Wie in vielen Bilden Fockes ist auch hier das Bemühen um eine Balance zwischen dem groß und bedeutsam auftretenden Bildmotiv im Vordergrund und der auch malerisch vorgetragenen Flüchtigkeit des Momentes und der atmosphärischen Einbettung zu spüren. Es ist gleichsam der Versuch, den idealistischen Ansatz seines Lehrers Ludwig von Hofmann mit den Anregungen der deutschen Impressionisten im Kreis um Max Liebermann in Berlin zu einer Synthese zu bringen. Von Liebermann gibt es von seinen Sommeraufenthalten in Noordwijk eine ganze Reihe solcher Strand- und Wattbilder mit einem Karren oder Reitern im Vordergrund, die die Motive allerdings ganz ohne Pathos in sachlicher Form und in flotter, natürlicher Bewegung schildern. Beiden gemeinsam ist das Anliegen, die Bewegung von Pferd, Reiter und Natur in einem spontanen Malakt zu verbinden. Diese Auseinandersetzung ist bei Focke auch noch in den Bildern der zwanziger Jahre zu beobachten, sei es in der Folge der Eisläufer(1) oder auch in dem Gemälde Begegnung am Kuhgraben. Das Pferdegespann im Watt dürfte ebenfalls in dieser Zeit entstanden sein.(2) Katharina Erling (1) Vgl. den Text zum Eissegler der Kunsthalle Bremen. (2) Zu den genannten Bildern s. Helmut Hadré (Hg.): Wilhelm Heinrich Focke. Ein2 norddeutscher Maler, Flugzeugpionier und Erfinder, Bremen 2006, Abb. S. 195, 198, 201 und S. 226.
Abmessungen
  • Objekt: 27,8 x 34 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
1387-2004/11
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Wilhelm Heinrich Focke (*Bremen 1878 - † Bremen 1974), Maler

Werk
Titel
Pferdegespann im Watt
Entstehungsdatum
1920er Jahre
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 27,8 x 34 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Erwerbsinformation

    2004

  • Vermächtnis Ludwig Portenkirchner 2004
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

Kollektionen