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Heinz Baden (*Bremen 1887 - † St. Magnus/Bremen 1954), Maler

Tänzerin , 1931

Heinz Baden schildert drei Tänzerinnen im Ballettsaal. Im Vordergrund steht eine Ballerina, die die gesamte Bildfläche dominiert. Sie hält mit geöffneter Beinstellung und nachdenklichem Blick inne. Mit der einen Hand umfasst sie einen länglichen Gegenstand, in der anderen hält sie einen gelben, nicht näher bestimmbaren. Sie trägt ein weißes Ballettkleid, offenes, modisch frisiertes Haar und wirkt geschminkt. Wand und Parkettfußboden erstrecken sich diagonal in die Tiefe, sodass trotz des sehr kleinen Raumausschnitts eine sogartige Wirkung entsteht. Es ist das nüchterne Ambiente eines Übungsraums. Um die graue Wand nicht zu eintönig erscheinen zu lassen, malte Baden die Fläche in verschiedenen Farbabstufungen und mit skizzenhaftem Pinselstrich. Auch das Ballettkostüm gestaltete er leicht changierend und gab die kurzen Schatten auf dem Fußboden als helle Reflexe wieder. Die beiden Tänzerinnen im Hintergrund üben Ballettschritte. Sie führen verhaltene Bewegungen an der Stange aus, ohne den Blick durch komplizierte oder raumfüllende Haltungen auf sich zu ziehen: Sie bilden eine illustrierende Folie und dienen als Begleitfiguren der „Solotänzerin“. Es ist unklar, ob Baden die Ballerina im Vordergrund nach einem Modell gemalt hat. Das Gesicht zeigt jedenfalls kaum individuelle Merkmale. Es hat eher typische, stilisierte Züge, die dem herrschenden Zeitgeist der dreißiger Jahre entsprechen. Dieser Eindruck deckt sich mit den aus der Zeit überlieferten Arbeiten Badens von weiblichen Gestalten wie etwa der Dompteuse, die idealtypisch aufgefasst ist und eher für den Betrachter zu posieren scheint als dass sie in ihrem natürlichen Umfeld eingefangen worden ist.(1) Insbesondere Badens Aktdarstellungen der dreißiger Jahre zeugen von einem ähnlich idealisierten Frauenbild.(2) Mit seiner Tänzerin knüpft Baden an die seit den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstandenen Ballettbilder Edgar Degas‘ an. Der französische Künstler hatte die Darstellung junger Frauen bei den Proben in der Pariser Oper zu einem seiner Hauptthemen gemacht. Die Beiläufigkeit des Beobachteten, kombiniert mit unkonventionellen, rasanten Perspektiven und Raumfluchten gehört zu den besonderen Kennzeichen dieser Werke. Zwar zeigt auch Baden einen diagonalen Raumausschnitt, und die Figur seiner Ballerina lehnt sich unmittelbar an die impressionistischen Werke Degas‘ an.(3) Doch während Degas die Tänzerinnen in scheinbar zufällig beobachteten Situationen festhielt, konzentriert sich Baden auf eine nahezu frontal platzierte Hauptfigur. So entsteht ein eher klassisch komponiertes Werk als eine flüchtig wahrgenommene Szenerie. Alice Gudera (1) Abb. in: Ein Maler schöner Frauen. Heinz Baden zeigt im Mai eine Sammel-Ausstellung seiner neuesten Arbeiten in der Bremer Kunsthalle, in: Kunst und Mode. Monatliche Beilage der Weser-Zeitung,13. Mai 1933. (2) Vgl. ebd. die abgebildeten Werke mit den Titeln Sommerfreuden und Ruhe. Die abgebildete Paddlerin ist ebenfalls im beschriebenen Sinne zu verstehen. (3) Vgl. z. B. Edgar Degas, Tänzerinnen an der Barre, 1876/77, 75,6 x 81,3 cm. New York, The Metropolitan Museum of Art; vgl. Werner Hofmann: Degas und sein Jahrhundert, München 2007, S. 190, Abb. 147.
Abmessungen
  • Objekt: 80 x 60 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
409-1933/1
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Heinz Baden (*Bremen 1887 - † St. Magnus/Bremen 1954), Maler

Werk
Titel
Tänzerin
Entstehungsdatum
1931
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 80 x 60 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten rechts signiert und datiert: Heinz Baden 31
  • verso betitelt: Solotänzerin/ Ballettsaal/Heinz Baden Bremen, Bremen
Erwerbsinformation

    1933

  • Geschenk eines Kunstfreundes 1933
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

Kollektionen