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Gustav Adolf Schreiber (*Bremen 1889 - † Bremen 1958), Maler

Selbstbildnis mit Familie , 1933

Das Gruppenbild zeigt den Maler Gustav Adolf Schreiber mit seiner Frau Amalie, genannt Mally (1891–1979) und der damals zwölfjährigen Tochter Carlitta (1921–1946) als Halbfiguren vor einem Gemälde mit Jahrmarktszenen. Sie sind nebeneinander aufgereiht wie auf einem in einem im Studio gefertigten, traditionellen Familienfoto: Mutter und Tochter bilden eine statisch wirkende Einheit, daneben steht der lebhaft gestikulierende Künstler als Familienvater. Mit den Fingern seiner rechten Hand zeigt er die Zahl drei, in der erhobenen Linken hält er wohl ein Glas. Ob die angedeutete Zahl sich auf die Anzahl der Familienmitglieder oder vielleicht auf das oben links zu lesende Datum „1933“ bezieht, muss offen bleiben. Die bewegten Szenen auf dem Gemälde im Hintergrund scheinen die Familie in das dort herrschende bunte Treiben mit springenden Karussellpferden, einem elegant gekleideten Skelett mit Kreuz, einem grinsenden Kopf mit Hitlerbärtchen, einem Segel und einem darüber gleitenden Vogel einzubinden. Der Hitlerkopf und das Skelett dürften als politische Anspielung auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten zu lesen sein. Bestärkt wird diese Annahme durch ein früheres Familienporträt aus dem Jahr 1930, das im Hintergrund ein ähnliches Gemälde zeigt, allerdings ohne diese beiden Motive.(1) Schreiber hat sich in seinen späteren Kriegsallegorien auf ähnlich satirische Weise als vehementer Gegner des Diktators geäußert. Auf der früheren Fassung – vielleicht eine Vorstufe des vorliegenden Gemäldes – sind die Figuren realistischer modelliert und in größerer räumlicher Distanz zu dem Bild im Hintergrund gegeben, so dass die Szenen desselben die Familie nicht betreffen.(2) Durch die größere Nähe und die schnelle, skizzenhafte Malweise verschmelzen die beiden Ebenen in der späteren Fassung. Auf diese Weise holt Schreiber seine Familie auf die Bühne des Lebens und des Zeitgeschehens. Die Bühne als Schauplatz der persönlichen Betroffenheit ist auf ähnliche Weise auch von Max Beckmann und Oskar Kokoschka in ihren politischen Bildallegorien zum Thema gemacht worden. Allerdings bleibt sie bei Schreiber eine Kulisse hinter den Porträts seiner Angehörigen und damit im Unterschied zu Beckmann und Kokoschka eine äußere Angelegenheit. Die flüchtig zeichnende Malweise, die die farbigen Flächen umreißt und die Details oft als helle Kürzel in den farbigen Grund setzt, erinnert auch an die Malerei von Raoul Dufy, den Schreiber sehr schätzte. Katharina Erling (1) Das Bild ist durch ein Foto im Nachlass des Künstlers belegt. Es war datiert und signiert, möglicherweise handelt es sich auch um das Foto eines früheren Zustandes des vorliegenden Gemäldes. (2) Im Nachlass des Künstlers befindet sich ein Artikel des Malers Hans Buch über eine Ausstellung Schreibers in der Kunstschau Fischerhude, vermutlich aus den späten vierziger Jahren. Dort beschreibt er ausführlich ein „Schaubudenbild“ als eine „bunte Welt fragwürdiger Künste“. Schreiber hat dieses Motiv vermutlich mehrfach als allegorisches Sinnbild verwendet.
Abmessungen
  • Objekt: 104,5 x 127 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
1004-1969/1
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Gustav Adolf Schreiber (*Bremen 1889 - † Bremen 1958), Maler

Werk
Titel
Selbstbildnis mit Familie
Entstehungsdatum
1933
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 104,5 x 127 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • oben links datiert: 1933
  • unten rechts bezeichnet: Familienbild/Bremen
Erwerbsinformation

    1969

  • Erworben aus Mitteln der Freien Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde) 1969
Provenienz
  • bis 1969 Mally Schreiber (1891 - 1979) erworben vom Künstler
  • 1969 Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen erworben aus Mitteln der Freien Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde)
  • Creditline
    • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow

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