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George Ernest Papendiek (*Windsor 1788 - † Bremen 1835), Maler

Der alte Dragonerstall , 1833

Papendieks Arbeiten halten die Erinnerungen an das alte Bremen wach. Sein Gemälde Der alte Dragonerstall von 1833 zeigt ein zweistöckiges gotisches Giebelhaus in der Dechanatstraße 6, das den Polizeidragonern als Wohnhaus diente. Davor steht der titelgebende eigentliche Stall, in dem die Pferde untergebracht waren. Eine Holzkrippe, ein Eimer und etwas Stroh deuten auf die Nutzung des niedrigen Gebäudes.(1) Nach rechts verläuft die Königsstraße, links zieht sich der östliche Teil der Dechanatstraße in die Tiefe. Am linken Bildrand erscheint die Rückseite der damaligen Hauptschule an der Domsheide. Direkt hinter dem Dragonerstall, rechts, liegt das königlich hannoversche Postamt. Zu der detailgetreuen Wiedergabe der Bauten um den Dragonerstall fügte Papendiek zwei uniformierte Dragoner als Staffagefiguren hinzu. Der eine reitet gemächlich am Stall vorbei die Dechanatstraße hinunter, der andere steht daneben. Im Vorübergehen tauschen die beiden Männer ein paar Worte miteinander aus. Deutlich hebt sich die Uniform des Berittenen von der des Stehenden durch Säbel und Hut ab.(2) Außer dieser Figurenszene wirkt die Stadt menschenleer, nur einige geöffnete Fenster in den Nachbarhäusern deuten weiteres Leben an. Als Vorlage für das Gemälde malte Papendiek ein Jahr zuvor das Aquarell Der alte Dragonerstall in der Dechanatsstraße. Es wirkt frischer und schärfer als die Gemäldefassung.(3) Beide Arbeiten zeichnen sich aus durch eine präzise Wiedergabe der Gebäude und ihrer Nachbarschaft aus. Doch gegenüber der hohen Qualität des Aquarells fällt die etwas teigige Ausführung in Öl auf Leinwand ab. Wilhelm Hurm urteilte nach Betrachtung des Alten Dragonerstalls: „In der Oelmalerei scheint er es nicht besonders weit gebracht zu haben.“(4) Ein Werk in dieser Technik war bei ihm jedoch eine Ausnahme. Gustav Pauli vermutete, dass es sich um das einzige Ölgemälde des Künstlers handele.(5) Im Unterschied zu dem Ölbild wurden Papendieks Aquarelle durchaus positiv beurteilt. Pauli beschreibt seine Arbeitsweise als besonders sorgfältig und detailreich und betont seine „untadelig[e] Korrektheit“(6). Auch Herbert Schwarzwälder erklärt: „Seine Bilder sind malerisch und von hoher Qualität.“(7) Unbestritten ist die historische Bedeutung von Papendieks Werken. Katharina Groth (1) Der Dragonerstall war bis in die 1850er-Jahre sehr baufällig. Um die Dragoner unterbringen zu können, wurde das Landherrenamt 1856/57 in der Dechanatstraße 3 gebaut. Es wird heute von der St.-Johannis-Schule genutzt. Nach dem Auszug der Dragoner wurde der alte Dragonerstall in ein Pfandlokal umgewandelt. Vgl. Hans Hermann Meyer: Die Bremer Altstadt. Wanderungen in die Vergangenheit, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte (Hg.), Bremen 2003, Anhang, S. 7. (2) Vgl. Emil Waldmann: Katalog der Gemälde und Bildhauerwerke in der Kunsthalle zu Bremen, Bremen 1925, S. 76, Nr. 104. (3) Diese aquarellierte Federzeichnung kam 1901 nach dem Tod seiner Tochter Christine Papendiek zusammen mit 23 weiteren Aquarellen und 24 Druckgraphiken in die Kunsthalle. 1930 wurde ein Teil des Konvoluts mit bremischen Motiven im Tausch an das Focke-Museum überwiesen. Eine farbige Abb. wurde in Meyer 2003 (wie Anm. 1), S. 72 veröffentlicht. Hier finden sich auch weitere der Bremischen Ansichten, die sich ursprünglich im Besitz der Kunsthalle befanden (vgl. S. 26, 48, 76, 106, 132, 218, 354, 363). (4) Wilhelm Hurm: Beschreibendes Verzeichnis der Gemälde und Bildhauerwerke des Kunstvereins zu Bremen, Bremen 1892, S. 83f., Nr. 104. (5) Vgl. Pauli 1909/10 (wie Anm. 3), S. 1. (6) Ebd., S. 5. (7) Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen Lexikon, Bremen 2002, S. 544.
Abmessungen
  • Objekt: 36 x 26 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
104-1833
Permalink

Werkinformationen

Künstler

George Ernest Papendiek (*Windsor 1788 - † Bremen 1835), Maler

Werk
Titel
Der alte Dragonerstall
Entstehungsdatum
1833
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 36 x 26 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Erwerbsinformation

    1833

  • Geschenk des Künstlers
Objektreferenz
Creditline
  • Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen