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Gustav Adolf Schreiber (*Bremen 1889 - † Bremen 1958), Maler

Formosa-Landschaft (Takao) , 1925

Ende des Jahres 1925 schiffte sich Schreiber als Matrose auf einem Frachtdampfer ein und bereiste auf diesem Weg Sumatra, Japan und China. Die Insel Formosa dürfte eines der ersten Ziele gewesen sein. Zu Weihnachten 1925 ging er in Takao, dem zweitgrößten Hafen an der Südwestküste der Insel, an Land. Das Gemälde wird in einer im Nachlass erhaltenen handschriftlichen Werkliste des Künstlers als „Landschaft (Formosa Straße mit rosa Mauer), gemalt Japan Reise 1926“ (sic!) geführt.(1) Es zeigt einen Blick in eine Straße, die zwischen einer Mauer rechts und niedrigen Holzhäusern hinter Gartenzäunen links auf einen Berg im Hintergrund zuführt, möglicherweise einen Ausläufer der Gebirgskette Mount Morrison, die die Insel in der Länge durchzieht. Die quer zu Gärten und Straße verlaufenden Telegraphenmasten dürfte der Künstler tatsächlich so angetroffen haben. Sie verweisen auf das verhältnismäßig alte, nämlich seit 1877 ausgebaute Telegraphennetz auf der Insel zwischen Takao und der Hauptstadt Taiwan und damit auch auf die Bedeutung der Hafenstadt Takao vor allem als Ausfuhrplatz für Zucker. Die Komposition des Bildes wird von den flüchtenden Schrägen der Straße, der Mauer, Zäune und Masten getragen, wobei der quergelagerte Bergrücken diesen Tiefensog auffängt. Der systematische, zeichnerisch fixierte Bildaufbau wird durch die lichten Farben und die weiche duftige Malweise vor allem in der Vegetation und im Himmel aufgelockert, die eine freundlich heitere Atmosphäre im Sinne des französischen Impressionismus vermitteln. Während Schreibers Bilder der frühen zwanziger Jahre in ihren kräftigen Konturen und dichten Farbflächen der expressionistischen Malerei nahe stehen, so kündigt sich hier, Mitte der zwanziger Jahre, eine Wende zu einer insgesamt leichteren Bildsprache in zarteren, durchscheinenden Farben an, die vielfach in schnellem zeichnenden Pinselduktus vorgetragen wird. Wenig später wurde Schreiber in diesem Stil von japanischen Tuschpinselzeichnungen bestärkt. In der Formosa-Landschaft ist außerdem die möglicherweise bereits in der Heimat erfolgte Auseinandersetzung mit japanischen Farbholzschnitten und ihrer strengen Linien- und Flächenorganisation spürbar. Dieser Stilwandel wurde bei der Ausstellung des Bildes im September 1926 in der Bremer Kunsthalle auch von der Presse notiert. So hieß es in den Bremer Nachrichten: „Auch hier glaubt man in Bildern wie der ‚Berglandschaft in Japan‘, der ‚Formosa-Landschaft mit roter Mauer‘, der ‚Vorstadtlandschaft in Tokio‘ oder der Landschaft ‚Berg in Tokio‘ die Klärung einer Darstellungsart zu sehen, die in Schreibers früheren Landschaftsbildern sehr oft gewaltsam und allzu abschreckend wirkte.“(2) Wenig später wurde das Bild aus der „Juryfreien Ausstellung der Künstlernothilfe“ in der Kunsthalle mit Staatsmitteln angekauft. Die Ankäufe dieser Ausstellung sollten die wirtschaftlich schwierige Situation der Bremer Künstler in der Zeit der Inflation erleichtern. Katharina Erling (1) Listen meiner Öl und Tempera-Bilder in Privatbesitz, aufgestellt: 1941–43, Nr. 25. Die Listen befinden sich im Nachlass des Künstlers, Privatbesitz Bremen. (2) Robert Kain: Bremer Kunstnachrichten. September-Ausstellung der Kunsthalle. Toni Elster. G. A. Schreiber, in: Bremer Nachrichten, 5. September 1926.
Abmessungen
  • Objekt: 50,5 x 65 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
81-1926/3
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Gustav Adolf Schreiber (*Bremen 1889 - † Bremen 1958), Maler

Werk
Titel
Formosa-Landschaft (Takao)
Entstehungsdatum
1925
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 50,5 x 65 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten rechts datiert und bezeichnet: Takao-Formosa Sch 22.XII.25.
Erwerbsinformation

    1926

  • Erworben aus Mitteln der Freien Hansestadt Bremen (Stadtgemeinde) 1926
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow