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Johann Heinrich Menken (*Bremen 1766 - † Bremen 1839), Maler

Hütte am Flussufer , 1786

An einem Flussufer liegen vier angepflockte Segelboote. Ein Schiffer ist mit Abtakeln beschäftigt, ein anderer watet mit geschulterten Rudern durch das seichte Wasser zum Ufer. Enten und Möwen beleben den Vordergrund. Die unmittelbare Nahsicht der Boote lässt den Standort des Malers in einem weiteren, im Bild nicht sichtbaren Boot vermuten. Auf der gegenüberliegenden Uferböschung steht ein reetgedecktes Fachwerkhäuschen zwischen hohen Eichbäumen, davor laufen Hühner und ein Hund. Der Horizont ist bis unter die Bildmitte heruntergezogen und über der spiegelnden Wasseroberfläche, den Baumgruppen und dem Fischerhaus dehnt sich ein weiter Himmel. Warmes Licht breitet sich über der Landschaft aus. Das zarte Blau des Himmels mit den lichten weißen Wolken deutet auf frühes Morgenlicht. Unter der Baumgruppe steht etwas weiter entfernt eine Frau mit einem Kind am Ufer. In der Ferne zeichnet sich im blauen Dunst eine Stadtsilhouette mit einer Windmühle ab. Vielleicht ging ein unmittelbares Naturerlebnis diesem Bild voraus. Menken könnte hier ein Motiv an einem Flusslauf in der Umgebung Bremens, vielleicht an der Lesum, mit einer Windmühle vor Augen gehabt haben. Im Bildaufbau orientierte er sich an holländischen Flusslandschaften in der Art eines Jan van Goyen oder Jakob van Ruysdael. Daran erinnern der tiefliegende Horizont, der perspektivisch diagonal dazu ausgerichtete Flusslauf und der Tiefenraum der Landschaft, dessen Wirkung durch die Nahsicht auf den belebten Vordergrund noch gesteigert wird. Auch die Einbindung des seinem Tagwerk nachgehenden Menschen in die Weite der Natur als Spiegel des harmonischen Lebens auf dem Lande erinnert an die niederländischen Meister. Anders als diese jedoch betont Menken durch die in allen Details gemalten Boote im Bildvordergrund die Nähe zum Betrachter und lässt dadurch einen deutlich naturalistischeren Ansatz erkennen. In Verbindung mit dem gezielten Tiefeneffekt der Landschaft und dem freundlichen Morgenlicht tritt gleichzeitig sein Anspruch an ein stimmungsvolles, heimatliches Idyll zu Tage. Gustav Pauli hielt die Hütte am Flussufer anlässlich der umfangreichen Präsentation von Menkens Bildern 1904 in der Kunsthalle für sein bestes Werk in der Ausstellung.(1) Menken hatte sich bereits wären seiner Ausbildungszeit an der Dresdner Akademie durch seine Geschicklichkeit beim Kopieren der alten Niederländer hervorgetan. In der wirtschaftlich schwierigen Zeit während der Besetzung Bremens durch die Franzosen 1811–1814 und später als Kunsthändler und Restaurator eignete er sich in diesem Bereich weitere Kenntnisse an. Seine Vorliebe für die niederländischen Meister, speziell für Ruysdael und Paulus Potter, spricht aus vielen seiner Gemälde, wobei er in Stimmung und Motivwahl die typischen Charakterzüge der Landschaft in der Umgebung Bremens einfing. Katharina Erling (1) Gustav Pauli: Gemälde alter Meister im bremischen Privatbesitz. Eine Erinnerung an die Ausstellung in der Kunsthalle zu Bremen in den Monaten Oktober und November 1904, Bremen 1905, S. 15.
Abmessungen
  • Objekt: 26,5 x 37 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
117-1927/6
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Johann Heinrich Menken (*Bremen 1766 - † Bremen 1839), Maler

Werk
Titel
Hütte am Flussufer
Entstehungsdatum
undatiert
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 26,5 x 37 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Erwerbsinformation

    1927

  • Vermächtnis Dr. Rudolf Pralle 1927
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow