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Ernst Heinrich Wilhelm Hampe (*Bremen 1806 - † Rom 1862), Maler

Italienische Landschaft , 1839

Hampe taucht seine Italienische Landschaft in das warme Abendrot des Südens. Auf einem Felsen erhebt sich am linken Bildrand eine ummauerte, offenbar in der Renaissance erbaute Klosteranlage mit Kirche, Campanile, Konvents- und Nebengebäuden. Eine Palme sowie eine Pinie rahmen den Komplex. Unmittelbar hinter dem Eingangstor erkennt man ein großes Holzkreuz mit den Leidenswerkzeugen Christi. Um den Klosterberg führt ein Weg, auf dem eine Bauernfamilie wandert. Während der Mann einen schweren Tragekorb geschultert hat, führt die Frau ihre kleine Tochter an der Hand; auf dem Kopf trägt sie zudem einen Säugling in einem Körbchen. Am rechten Bildrand rasten zwei weitere Frauen an einem Brunnen. Die linke ist im Profil dargestellt; sie wendet sich mit einem Trog in Händen ihrer Begleiterin zu, die einen Säugling auf dem Arm hält. Auch bei ihr befindet sich ein größeres Gefäß zum Wassertransport. Im Hintergrund erstreckt sich eine eher karge, mit einzelnen Bauten besetzte Landschaft. Von einem Fluss durchzogen, erstreckt sie sich bis zu einem fernen Bergmassiv. Rechts öffnet sich die Ebene zu einem See oder gar dem Meer. Das Bild gibt keine topographisch identifizierbare Ansicht wieder. Vielmehr setzt es sich aus einzelnen, versatzstückartig aneinandergefügten Motiven zusammen, die für seinen insgesamt idyllischen Charakter sorgen. Diese Art der Landschaftsauffassung, zu der wahlweise mythologische, christliche oder genreartige Staffagefiguren gehören, hat sich seit dem frühen 19. Jahrhundert im Umkreis der deutschen Künstler in Rom entwickelt und eine starke Verbreitung erfahren. Insbesondere Johann Christian Reinhardt und Joseph Anton Koch gelten als wegweisende Neuerer dieser Landschaftskunst. Sie orientierten sich an den heroischen Landschaften der im 17. Jahrhundert tätigen Franzosen und Wahlrömer Nicolas Poussin, Claude Lorrain und Gaspar Dughet, auf deren Ideen sie aufbauten: Sie studierten die Umgebung von Rom, die ihnen als reales Sehnsuchtsland vor Augen stand, und entwickelten daraus ihre neuen Ideallandschaften. Die der Komposition zugrunde liegende „vernünftige“ Auswahl verhalf der „ungeordneten“ Natur im damaligen Verständnis zu harmonischer, idealer Erscheinung. Damit verband sich zugleich die Absicht, der Landschaftsmalerei innerhalb der Gattungshierarchie einen höheren, der Historie vergleichbaren Rang zuzuweisen. Hampes Landschaftsauffassung wurzelt in diesen damals aktuellen Vorstellungen. Vieles konnte er im Kreis der deutsch-römischen Künstler kennen lernen. Die Arbeitsweise des einflussreichen Joseph Anton Koch, den der junge Bremer bereits während seiner Dresdener Studienzeit besonders schätze, dürfte ihm geläufig gewesen sein und ihm unter anderem Anregungen geboten haben.(1) Koch schuf – wie Hampe einige Jahre später − Kompositionen, die sich aus einzelnen Landschaftsmotiven zusammensetzen.(2) Er bereicherte die Szenerie mit Staffagefiguren unterschiedlicher Herkunft in kleinem Maßstab, darunter Familien auf dem Weg, Lasten tragende Frauen, Mütter mit Kindern auf dem Schoß. Bei Koch fällt jedoch im Unterschied zu Hampe eine besondere Betonung des Umrisses, eine stärkere Staffelung in den Hintergrund mit gesteigerter Fülle von genau wiedergegebenen Details auf. Hampes Italienische Landschaft vermittelt dagegen mit ihren warmen, erdigen Farben, dem sanften Licht und der eher lasierenden Malweise den Eindruck einer Stimmungslandschaft, die weniger den Verstand als vielmehr das Sentiment anspricht. Er löst sich damit von der strengeren idealistischen Auffassung seiner Vorgänger und schafft mit diesem Bild im Jahr 1839, dem Todesjahr Kochs, seine eigene Vorstellung von Arkadien. Alice Gudera (1) Vgl. den Kommentar zu Hampes Bildnisgruppe junger Künstler von 1828, Inv. Nr. 53–1891, im Besitz der Kunsthalle Bremen. (2) Vgl. Joseph Anton Koch 1768−1839. Ansichten der Natur, Kat. Ausst. Staatsgalerie Stuttgart 1989, S. 49f.
Abmessungen
  • Objekt: 67 x 98 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
174-1892
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Ernst Heinrich Wilhelm Hampe (*Bremen 1806 - † Rom 1862), Maler

Werk
Titel
Italienische Landschaft
Entstehungsdatum
1839
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 67 x 98 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten rechts signiert und datiert: Ernst Hampe 1839 Roma
Erwerbsinformation

    1892

  • Geschenk der Erben von Frau Senator C. E. E. Klugkist, Bremen 1892
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow