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Carl Johann Spielter (*Bremen 1851 - † Bremen 1922), Zeichner

Bildnis Veronica Spielter , 1890

Das Brustbild im Halbprofil zeigt eine vornehm gekleidete junge Frau im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren. Über ihren Schultern trägt sie einen roten, pelzbesetzten Umhang, und auch ihre Haltung bringt einen gewissen repräsentativen Anspruch zum Ausdruck. Vor dem graugrünen Grund entwickelt sich eine delikate Farbwirkung aus dem Rot des Umhangs, dem Braun der Pelzstola, die in einen weißen Besatz übergeht bis zu den zart modellierten, porzellanfarbenen Gesichtszügen. Sie unterstreicht den feinsinnigen und anmutigen Charakter der Dargestellten und betont die Züge empfindsamer Weiblichkeit. Die behutsame Handhabung des Pastellstiftes lässt auch kleinere Mängel der Natur wie etwa das leicht schüttere Haar nicht aus, idealisiert und glättet die Züge aber und belebt gleichzeitig die Flächen in bisweilen fein gestricheltem, manchmal auch breiterem Duktus. Dabei lässt die akkurate Wiedergabe der verschiedenen Stofflichkeiten von Haut, Pelz, Haar und Umhang die Vorliebe Spielters für eine detaillierte Ausführung erkennen. Die Malweise und die medaillonartige Form des Porträts lassen einen für die Zeit altertümlichen Stil in der Art biedermeierlicher Bildnisminiaturen erkennen, die für die ganz persönliche Erinnerung angefertigt wurden und für die Spielter, der 1881 bis 1891 in Wien lebte, zahlreiche Vorbilder in der Malerei des Wiener Biedermeier finden konnte.(1) In Wien scheint er sich sowohl in der Genremalerei als auch in der Bildniskunst auf eine miniaturhafte Feinmalerei festgelegt zu haben. Das 1890 datierte Bremer Bildnis stammt aus dieser Wiener Zeit. Es ist daher unwahrscheinlich, dass es sich, wie bisher angenommen,(2) um ein Porträt von Katharina Meier, geb. Koop (1847–1929), der Ehefrau des Bremer Kaufmanns und Sammlers Hermann Henrich Meier jr. (1845–1905) handelt, aus dessen Besitz das Bild in die Kunsthalle gelangte. Käthchen Koop hatte 1872 im Alter von 25 Jahren geheiratet, war also im Jahr 1890 bereits 43 Jahre alt. Ein um 1873/74 gemaltes Porträt der jung verheirateten Frau Meier im Focke-Museum in Bremen zeigt eine bürgerlich gekleidete, humorvolle und bodenständige junge Frau mit dunkelblonden Haaren und grünen Augen, die wenig mit der von Spielter gemalten, zarten femininen Erscheinung gemeinsam hat.(3) Dargestellt ist vielmehr, so lassen es Vergleiche mit anderen Bildnissen erkennen, seine frisch angetraute Ehefrau Veronica, geb. de Gavenda (7. Januar 1859 Polodin/Ungarn–Bremen 30. März 1943), die er 1889 in Wien geehelicht hatte. Sie stammte aus einer ungarischen Adelsfamilie, Spielter hat sie mehrfach porträtiert. Ein weiteres Bildnis von ihr aus demselben Jahr sowie eines, das er wenig später zur Hochzeit seines Bruders nach New York schickte, belegen die Ähnlichkeit.(4) Im November 1900 erhielt eines dieser Bildnisse in der Herbstausstellung der Kunsthalle Bremen in der Tagespresse großen Zuspruch. Die hier hervorgehobenen Charakteristika könnten sich durchaus auf das vorliegende Gemälde beziehen: „Uneingeschränktes Lob verdient nicht minder unser emsig schaffender Mitbürger Carl Spielter mit dem Porträt seiner Gattin. Spielter ist mit diesem Bildnis künstlerisch ganz bedeutend gewachsen und darf sich mit einer solchen hervorragenden Leistung getrost in die Reihe unserer ersten Porträtisten stellen. Alles, was ihm sonst wohl von seiner Kleinmalerei anhaftete, die allzugroße Glätte, der verwaschene Strich, der Mangel an Kühnheit im Farbenauftrag, an Leichtigkeit der künstlerischen Handschrift, – All dies ist hier verschwunden und hat einer tadellosen, treffsicheren und elegant flotten Technik Platz gemacht. Dazu kommt eine überaus harmonische Farbenwirkung und ein gefälliges Gesamtarrangement, so dass das Bildnis ebenso durch seine Anmuth, seine vornehme Ruhe, wie durch seine realistische Kraft und Wahrheit ganz vortrefflich wirkt.“(5) Zwei Jahre später, im November 1902, war erneut ein Damenporträt in der Kunsthalle zu sehen, das ähnlich wie das vorliegende den Kritikern aufgrund der gekonnten feinmalerischen Wirkung ins Auge stach und das Spielters Stellung als geschätzter Porträtist in Bremen verdeutlicht.(6) Katharina Erling (1) Spielter sammelte selbst Gemälde aus der Zeit um 1800, in seiner Sammlung befand sich auch ein Biedermeier-Bildnis von Johann Baptist Berdellé, s. dazu: 120. Auktion Bolland & Marotz, Bremen, 29.11.–3.12.2003, Nr. 508. (2) Vgl. Gerhard Gerkens / Ursula Heiderich: Katalog der Gemälde des 19. und 20.Jahrhunderts in der Kunsthalle Bremen, Bremen 1973, Bd.1, S. 316. (3) Das Bildnis Käthe Meier geb. Koop (Öl auf Holz, 33 x 45 cm) stammt aus dem Besitz des Malers Walter Bertelsmann, Worpswede, der es am 22. 2. 1955 dem Focke Museum stiftete. Nach Mitteilung von Bertelsmann soll es von Wilhelm von Kaulbach gemalt worden sein. (4) Zu dem erstgenannten s.: 120. Auktion Bolland & Marotz, Bremen, 29.11.–3.12. 2003, Nr. 639; von dem zweiten gibt es ein altes Foto in Familienbesitz. Nach freundlicher Mitteilung der Enkelin des Malers im September 2009 handelt es sich bei der Dargestellten tatsächlich um das Porträt ihrer Großmutter. (5) J. Mühldorfer: Aus der Kunsthalle, in: Courier, 23. November 1900. (6)J. Mühldorfer: Aus der Kunsthalle, in: Courier, 27. November 1902: „Unser Spielter […] hat diesmal keine seiner Kleinmalereien, sondern ein flott heruntergestrichenes Damenporträt von guter Wirkung gebracht. Lebendigkeit im Ausdruck des auch coloristisch überzeugend und tönereich behandeltem Gesicht, wie eine sichere und breite Behandlung des Stofflichen darf man diesem neuesten Werk unseres rastlosen Künstlers nachrühmen.“
Abmessungen
  • Objekt: 62 x 49,7 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
244-1929/12
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Carl Johann Spielter (*Bremen 1851 - † Bremen 1922), Zeichner

Werk
Titel
Bildnis Veronica Spielter
Entstehungsdatum
1890
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 62 x 49,7 cm
Werktyp
Zeichnung
Technik
Pastell auf Pappe
Bezeichnungen
  • unten links betitelt und datiert: Carl Spielter 90
Erwerbsinformation

    1928

  • Vermächtnis Dr. Hermann Henrich Meier jr. 1928
Creditline
  • Kunsthalle Bremen. Foto: Karen Blindow