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Hermann Heinrich Betke (*Bremen 1881 - † Tübingen? 1966), Maler

Am Herdentor in Bremen , 1912

Dargestellt ist der Blick vom Herdentor Ecke Contrescarpe über die Bremer Wallanlagen in Richtung Innenstadt. Wie auf dem Bild zu sehen, verliefen entlang der Grünanlagen des Walls Wege zum Flanieren, und Bänke luden zum Verweilen ein. Auf der rechten gegenüberliegenden Straßenseite, im Bild nicht mehr zu sehen, befand sich damals eines der vornehmsten Bremer Hotels, das Hillmanns Hotel. Am Herdentor sieht man schwarze Limousinen stadtein- und stadtauswärts fahren. Skizzenhaft angedeutete Menschen eilen hin und her. Es ist ein verhangener Tag, vielleicht im Vorfrühling, wie das zaghaft durchbrechende Licht und das zarte Grün in den Ästen vermuten lässt. Die Bäume sind noch kahl, über allem liegt ein diesiger Grauschleier. Die Häuserzeile auf der gegenüberliegenden Wallseite verschwimmt im Dunst zu einer blaugrauen Stadtsilhouette, aus der der Turm der alten, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Ansgariikirche herausragt. Einzig die Litfaßsäule auf dem kleinen Platz im Vordergrund leuchtet durch ihre roten, gelben, orangefarbenen und blauen Plakate aus der grauen Stimmung heraus. Unmittelbar im Vordergrund belebt der Künstler die Szene mit einer älteren Dame auf einer Bank und einem Kind, vielleicht eine Großmutter mit ihrer Enkeltochter. Dahinter erkennt man eine Rondell-ähnliche Einfassung mit weiteren Passanten. Sowohl die Atmosphäre eines dunstigen Tages, die durch wenige farbstarke Akzente belebt wird, als auch die flüchtig skizzierende Malweise, die charakteristische Momente des modernen Lebens wie Autos, Vorbeieilende, Flanierende andeutet und zu einem belebten Stadtbild zusammenfügt, zeigen den Maler in der Nachfolge der Impressionisten. Kurz nach Fertigstellung war das Bild im Januar 1913 zusammen mit weiteren Werken des Künstlers in der Kunsthalle ausgestellt, wo es angenehm auffiel: „ein Stückchen Herdentorgegend mit der Litfaßsäule, deren Farben so lustig inmitten des Blaugraus wirken, zeugt von sicherem Blick und viel Können“, konnte man in den Bremer Nachrichten lesen.(1) Und die Weserzeitung nannte Betke einen „ernst zu nehmenden Künstler von entschiedener Eigenart, vor allen Dingen in seinen figürlichen Werken. Auch das reizvoll gesehene Bremer Straßenbild ‚Herdentor‘ ist bemerkenswert. Sehr fein wirkt in der grauen Grundstimmung der kräftige Farbenkontrast der Litfaßsäule, ein Beweis dafür, wie eines Künstlers Auge auch aus den scheinbar alltäglichen Motiven malerische Feinheiten herausfühlen kann“.(2) Im November 1913 war das Bild erneut in der Bremischen Kunstausstellung der Kunsthalle zu sehen. Möglicherweise hat es Gustav Pauli bei dieser Gelegenheit erworben und 1914 bei seinem Weggang aus Bremen dem Kunstverein geschenkt. Katharina Erling (1) Karl König: Aus der bremischen Kunsthalle, in: Bremer Nachrichten, 2. Februar 1913. (2) A. G.: Aus der Kunsthalle, in: Weserzeitung, 25. Januar 1913.
Abmessungen
  • Objekt: 46 x 55 cm
Raum
nicht ausgestellt
Inventarnummer
354-1913/10
Permalink

Werkinformationen

Künstler

Hermann Heinrich Betke (*Bremen 1881 - † Tübingen? 1966), Maler

Werk
Titel
Am Herdentor in Bremen
Entstehungsdatum
1912
Grunddaten
Abmessungen
  • Objekt: 46 x 55 cm
Werktyp
Gemälde
Technik
Öl auf Leinwand
Bezeichnungen
  • unten rechts signiert und datiert: Herm. Betke. 12
Erwerbsinformation

    1914

  • Geschenk Dr. Gustav Pauli, Bremen 1914
Creditline
  • Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen